Konzerte & Party

Pete Molinari: „A Train Bound For Glory“

Pete Molinari: Mal klingt Pete Molinari wie ein Kinderstar aus den Fifties, mal wie Elvis bei ersten Gehversuchen, oder ist es Patsy Cline, ist es gar Thao Nguyen? Wirklich charmant, der Mann. Seine Leidenschaft für traditionelle amerikanische Rootsmusik erwuchs der familiären Plattensammlung sowie seiner Abneigung, ja Verachtung gegenüber dem Mainstream der Gegenwart. Eine durchaus sympathische Einstellung, wenn da nicht diese irritierende Mimikry der Vergangenheit wäre. Wie kommt ein junger Mann dazu, so im Gestern aufzugehen?
Weil im Gestern das Ultimative geschaffen wurde, lautet seine Antwort. Die originalen Entstehungsstätten ziehen ihn magisch an: Raus aus dem heimischen Kent, rein in die Clubs vom New Yorker Village, im Geist von Woody Guthrie und Jack Kerouac ein Leben on the road auf der Suche nach ihrer Gültigkeit. Sein erstes Album entstand in der Küche von Billy Childish, das zweite bei Liam Watson im Toe Rag Studio (White Stripes) und nun, das Dritte, in Nashville. Niemals würde er seine Einflüsse verstecken, aber kopieren? Mit Leidenschaft und Herz schreibt er seine stets unmittelbar zündenden Songs, wagt sich zunehmend auf die Bühne der großen Crooner und überzeugt auch ohne deren Volumen; Gleich der erste Song „Streetcar Named Desire“ setzt den Ton für „A Train Bound For Glory“ und knapp 50 Minuten fröhlich rockenden bis  schmachtenden Vergnügens, als würden die Keller-Beatles immer wieder von vorne anfangen.
Und Molinari hat den Blues. Anders als The Black Keys dekonstruiert er ihn aber nicht, sondern greift das Ursprüngliche, Traditionelle auf. Er lebt und schreibt ihn so unbefangen aus der eigenen Perspektive, dass man ähnlich wie bei Kitty, Daisy & Lewis die Retroskepsis gerne anderen überlässt. Bei „Since You’ve Been Gone“ kommen The Jordanaires als Gospelchor zum Einsatz, nicht der letzte Beweis für Molinaris Lokomotive in Richtung Ruhm.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

Pete Molinari, A Train Bound For Glory (Clarksville/Rough Trade)

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