Konzerte & Party

Peter Gabriel in der O2-World

Peter GabrielGabriel interpretierte die Songs anderer Musiker neu und ließ sie von John Metcalfe mit schlichten Orchesterarrangements unterlegen. Am Mittwoch (24.3.) und Donnerstag (25.3.) spielt das Ex-Genesis-Mitglied in der Berliner O2-World. Wir haben uns mit ihm über seine neue Platte unterhalten.

tip Mr. Gabriel, wieso haben Sie für „Scratch My Back eigentlich Lieder gecovert?
Peter Gabriel Weil das immer mein Traum war. Ich genoss es, die Stücke anderer Musiker zu sin­gen. Auf einem Interpreten las­tet nämlich weniger Druck als auf einem Songwriter. Der Schöpfer hingegen muss aus dem Nichts die Version erschaffen, die die Iden­tität eines Titels prägt. Das ist eine sehr schwierige Aufgabe.

tip … der Sie sich in Zukunft nicht mehr stellen wollen?
Gabriel Ich habe bereits ein paar neue Lieder geschrieben. Doch ich bin ein ziemlich langsamer Arbeiter. Wenn mich jemand nach einem konkreten Veröffentlichungstermin fragt, antworte ich stets: „Weih­nachten!“ Wobei ich das Jahr wohlweislich verschweige (lacht).

Peter Gabrieltip Weil Ihr Coversong-Projekt derzeit Vorrang hat?
Gabriel Tatsächlich ist es noch nicht abgeschlossen. Die Musiker, deren Nummern ich für „Scratch My Back“ aufgenommen habe, werden im Gegenzug einen Song von mir einspielen. Einzig David Bowie hat das abgelehnt. Aber mit Brian Eno fand ich einen würdigen Vertreter – schließlich ist er der Ko-Komponist von „Heroes“.

tip Warum wollten Sie diesen Bowie-Klassiker unbedingt mit Orches­terklängen unterlegen?
Gabriel Ich suchte mir vorab für mein gesamtes Album ein klar struk­turiertes Konzept: keine Gitarren, kein Schlagzeug, nur ein Orches­ter. Hätte ich alle Instrumente zugelassen, dann wäre ich wahrscheinlich in einen oberflächlichen Klassik-light-Sound abgedriftet. Obgleich ich von Anfang an emotionale Musik machen wollte.

tip … die Sie in Ihren Real World Studios aufnahmen?
Gabriel Zum Teil. Unser größter Raum fasst maximal 18 Akteure. Bisweilen waren wir aber 44 Musiker, darum mussten wir in ein grö­ßeres Studio ausweichen. Da gab es eigentlich nur zwei Optionen: Abbey Road oder Air Lyndhurst. Ich entschied mich für letztere, weil die Klangqualität in George Martins Räumlichkeiten einzigartig ist.

tip Woher wussten Sie, welche Songs perfekt für dieses auf­wen­dige Projekt waren?
Gabriel Ich hörte viel Musik, manchmal ließ ich mir auch Tipps geben. Mein Tontechniker brachte mich auf Arcade Fire, meine Töchter empfahlen mir Bon Iver und Regina Spector.

Peter Gabrieltip Warum ist sie die einzige Musikerin, die ein Lied für Ihr Album beisteuern durfte?
Gabriel Ich hätte gern eine Joni-Mitchell-Nummer interpretiert, leider ließ sich das nicht realisieren. Die Stücke anderer Singer/­Song­writerinnen waren für mich indiskutabel, weil Frauen einfach nicht wie Männer empfinden. Es wirkt also unglaubwürdig, wenn ich ihre Texte singe.

tip Heißt das, Regina Spectors Titel war die größte Heraus­forderung für Sie?
Gabriel Nein. Ich tat mich mit dem Schluss von Radioheads „Street Spirit“ schwerer. Letztlich musste ich sogar die Melodie neu komponieren, damit sie zum Orchester passt. Mit dem Gesangspart von Elbows „Mirrorball“ hatte ich ebenfalls zu kämpfen. Er war so vertrackt wie die frühen Genesis-Lieder.

tip Hätten Sie Lust, wieder mit Ihrer alten Band aufzutreten?
Gabriel Weil Phil Collins nach einer Halswirbeloperation nicht mehr auf Tournee gehen will, ist das wohl kein Thema. Grundsätzlich bin ich aber nicht gegen eine Wiedervereinigung. Bei den letzten Genesis-Konzerten klinkte ich mich allein aus zeitlichen Gründen aus. Ich hätte mich nicht intensiv genug auf die Auftritte vorbereiten können. Und wollte nicht bloß die Songs abspulen.

Interview: Dagmar Leischow

Fotos: Nadav Kander

Peter Gabriel, O2 World, Mi 24.3., Do 25.3., 20 Uhr, VVK: ab 47 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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