Konzerte & Party

Peter Plate über „Schüchtern ist mein Glück“

Peter Plate

tip Zuletzt hieß es, du und Anna R. machten als Rosenstolz eine „Pause“. Ist dies ein schöneres Wort für Trennung?
Peter Plate Den Begriff Pause finde ich super, denn er ist so musikalisch. Es ist doch nichts schlimmer, als wenn eine Band sich unter großem Brimborium trennt, um dann drei oder fünf Jahre später festzustellen: Nö, wir machen doch weiter. Insofern ist das für mich ein Begriff, mit dem ich gut leben kann. Weil man nie weiß, was noch im Leben passiert. Und das ja auch nicht wissen muss.

tip Überraschend hast du letzte Woche im Roadrunner’s Paradise vor geladenen Fans deine neuen Songs live vorgestellt …
Peter Plate Ja, nachdem wir zu dritt das Album aufgenommen hatten, haben wir eine Band zusammengestellt, um mal zu gucken, wie das live klingt. Bei zwei, drei Stücken. Wir hatten aber so viel Spaß bei den Proben, dass da­raus dann das komplette Album wurde.

tip Dabei waren es 2009 ja gerade die Live-Konzerte, die bei dir Panik-Attacken ausgelöst hatten – ist dies nun überwunden?
Peter Plate Ich hoffe schon. Ich habe zuletzt viele Kleinkunstkonzerte besucht, so wie vor 20 Jahren, als ich nach Berlin zog, im Tipi, im BKA. Und dabei merkte ich: Ich lieb es einfach auf der Bühne zu stehen, das Entertainment. In der Euphorie nach dem Konzert haben wir uns jetzt auch entschlossen, noch sechs weitere kleine Konzerte zu machen. Keine großen Hallen. Ich weiß, dass man die Uhr nicht zurückdrehen kann, aber die ersten zehn Jahre mit Rosenstolz in den kleinen Clubs waren so toll und das ist das, was ich jetzt auch will. Und das ist auch das, was ich mir derzeit zutraue. Und dann mal gucken …

tip Nach dem stetig wachsenden Erfolg mit Rosenstolz kam 2009 die Vollbremsung und dann doch noch ein letztes Album. Was hast du jetzt vor anders zu machen?
Peter Plate Zunächst mal: Ich hab mit Rosenstolz 20 Jahre lang sehr viel Spaß gehabt und habe eigentlich gar nicht das große Bedürfnis, etwas unbedingt anders zu machen, mich neu zu beweisen. Ein Soloalbum hatte ich allerdings schon immer mal vor, es gab aber immer eine super Ausrede, es nicht zu tun: Ich hab  gar keine Zeit dafür. Und nun ist die Zeit da.

tip Das Team, mit dem du die Platte aufgenommen hast, kennt man von Rosenstolz: Ulf Sommer, dein Ex-Mann und Songwriting-Partner, und Daniel Faust, der bisherige Produzent und musikalische Leiter. Neu ist, dass du selbst alle Stücke singst. War dies die Triebfeder für den Solo-Schritt?
Peter Plate Da muss ich Frau Merkel bemühen: Es war alternativlos. (lacht) Ich habe gemerkt, es kommen jetzt sehr persönliche Songs, und das hätte kein anderer machen können. Ich kann ja noch vieles tun, auch andere produzieren, aber jetzt hatte ich einfach Lust zu singen.

tip Worum geht es dabei?
Peter Plate Ulf und ich haben in den Songs 20 Jahre unserer Beziehung aufgearbeitet.

tip Obwohl ihr gar nicht mehr zusammenlebt?
Peter Plate Wir haben uns jeder neu verliebt, haben neue Freunde. Also haben wir auch Liebeslieder geschrieben für die Neuen. Alte Liebe, neue Liebe.

tip Und das hat eure Arbeitsbeziehung nicht beeinträchtigt? Keine Eifersüchteleien?
Peter Plate Gerade die gibt es nun viel weniger. Und dadurch, dass wir nur noch drei Tage in der Woche ins Studio gehen – Dienstag, Mittwoch, Donnerstag – freuen wir uns inzwischen wie die Kinder darauf. Wir fangen um 12 Uhr an und um halb acht fällt der Hammer, egal ob wir denken, wir haben gerade einen Welthit.

tip Möchtet ihr dich so vor einem weiteren Burn-out bewahren?
Peter Plate Ja, weil ich einfach eine Tendenz zum Workaholic habe. Ich liebe das halt im Studio, ich könnte auch die ganze Nacht durcharbeiten, aber ich habe gelernt, es gut sein zu lassen.

tip Bezieht sich das nur auf die Arbeit?
Peter Plate Nein, nicht nur. Viele haben ja Angst vorm Älterwerden, ich gehörte auch dazu. Aber jetzt, wo ich eindeutig in der zweiten Hälfte meines Lebens bin, muss ich sagen: Die ganze Angst ist Quatsch. Ich bin zurzeit glücklicher, als ich es früher war. Von 20 bis 40, das war schon super. Aber ich muss anerkennen, dass ich gar nicht so weiter hätte leben können, dann wäre ich nämlich tot. Jetzt kann ich auch ganz entspannt mit meinen Neffen und Nichten spielen, daran habe ich früher zum Beispiel nie gedacht. Und ich finde es auch ganz toll, mich am Sonntag einfach mal nur zu langweilen.

Interview: Hagen Liebing

Fotos: Ferran Casanova

Peter Plate: „Schüchtern ist mein Glück“ (CD: Universal)

erscheint am Freitag, den 05. April 2013

Peter Plate: Schüchtern ist mein Glück

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