Konzerte & Party

Peter Schwenkow


Hagen Liebing hat mit dem Kulturunternehmer über Korkengelder, Kylie Minogue und Konkurrenzkämpfe auf dem Berliner Veranstaltungsmarkt gesprochen.

tip Herr Schenkow, Sie wirken richtig aufgeräumt. Ist es der Sportsgeist, der Sie nun antreibt, die Waldbühne Hals über Kopf bespielbar zu machen oder ist es Ihre Bürgerpflicht als Kulturunternehmer?

Peter Schwenkow Also, ich sag mal – 51 Prozent sind „wir müssen schnell eine Lösung für die Philharmoniker finden“ und 49 Prozent „ich weiß, dass das Team das schafft!“ Aber die Frage, ob wir es schaffen, die stellt sich gar nicht. Nach 25 Jahren Waldbühne weiß man einfach, was zu tun ist.

tip Worin liegt denn jetzt die He­rausforderung?

Schwenkow Die ganze Geschichte hier, das Errichten der Backstagezelte mit Boden. Das Entmücken, das Mähen der Zuschauerränge, das war alles getimt auf den 12. Juni. Das baut sich auf über zwei, drei Wochen und ist seit gestern überholt – nun müssen wir es in 48 Stunden schaffen.

tip Eine günstige Fügung, dass sich diese Herausforderung gerade jetzt stellt, pünktlich zu Ihrem Jubiläum als Waldbühnenbetreiber. Schließlich steht September die Neuausschreibung an, und die Konkurrenz stänkert laut „Berliner Zeitung“ gewaltig.

Schwenkow Ach, das ist nur Säbelrasseln, und ich hoffe mal, dass die Entscheidung auf der Grundlage des besten Angebots gefällt wird und nicht auf Grund irgendwelcher Veröffentlichungen – da stand so viel Falsches drin in dem Artikel, wir gehen da gerade gegen vor.

tip Was war denn falsch?

Schwenkow Es ist schon mal falsch, dass wir hier keinerlei Leistung erbringen würden und so etwas wie ein „Korkengeld“ erheben. Die Leis­tung fängt damit an, dass wir das Gelände vorbereiten, dass wir es über das ganze Jahr vorhalten, dass wir es bebuchen, dass wir es bespielen, dass wir es bewerben, alle Anträge stellen. Da fallen erheb­liche Kosten an. Und kein Mensch ist verpflichtet, umsonst zu arbeiten. Schon gar nicht, weil es in der „Berliner Zeitung“ steht.

tip Loft- und Ärzte-Manager Axel Schulz wird ebenda zitiert, dass die Ärzte es sich zwar leisten könnten, in der Waldbühne aufzu­treten, aber dies aus Prinzip nicht tun.

Schwenkow Ich halte das für glatt gelogen. Das ist Propaganda. Hier in der Waldbühne sind wir ja Sachwalter der Mieteinnahmen des Landes Berlin. Es gibt eine Miete, die ist festgesetzt, und die reiche ich nur durch, da verdiene ich nichts dran. Und die konkurrierende Wuhlheide ist eben damals privatisiert worden und nun an nichts gebunden. Wenn die Ärzte sagen, wir spielen vier oder fünf Shows, dann gibt es dort eben Rabatt. Hier gibt es keinen Rabatt, weil das nicht erlaubt ist.

tip Den Wegfall von Rockkonzerten werden Sie doch aber verschmerzen, schließlich scheint sich der Klassikbereich zunehmend zu Ihrem Kerngeschäft zu entwickeln …

Schwenkow Nee. Wir machen in diesem Jahr einen Umsatz weit über 100 Millionen Euro, und davon sind ungefähr 25 bis 27 Prozent Klassik. Was man aus der Berliner Perspektive vielleicht nicht so sieht, sind die Aktivitäten unserer nationalen und internationalen Agentur DEAG. Wir sind Marktführer in der Schweiz, wir sind sehr stark in England.

tip Die Abwicklung Ihrer Konzerte wird hier also meist von anderen betrieben?

Schwenkow Richtig, von sogenannten örtlichen Veranstaltern.

tip Anfang der Neunziger sah das noch anders aus. Da gab es einen harten Verdrängungswettbewerb, da waren Sie als Platzhirsch in harter Konkurrenz zu Trinity, Loft, Lengauer oder Downtown. Was hat sich geändert?

Schwenkow Wir haben unseren Fokus jetzt eben auf die Internationalisierung des Unternehmens gelegt. Die DEAG ist jetzt seit zehn Jahren an der Börse, und am Ende des Tages geht es darum, ein gutes Risiko-Gewinn-Verhältnis zu bekommen. Ein Wiedererstarken auf dem lokalen Markt würde in einen Verdrängungswettbewerb und Aus­ein­an­der­setzungen münden, und das kos­tet immer Geld, Zeit und Kraft. Da kaufe ich mir doch woanders lieber zwei Veranstalter dazu. Wir machen von den Foo Fighters bis zu Kylie Minogue sehr viele Konzerte in Berlin, nur sieht man das nicht so, weil nicht Concert Concept draufsteht. Aber ich sehe das in der Bilanz nachher …

Lesen sie weiter im Tip 13/08

Text: Hagen Liebing

Waldbühne Berlin: Ort und Termine

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