Konzerte & Party

Philip Glass in der Zitadelle Spandau

Philip GlassDer Minimalist Philip Glass, bekannt für seine Kompositionen meditativer Soundtracks („Koyaanisqatsi“, „The Thin Blue Line“, „The Truman Show“), hat sich 1999 gemeinsam mit den Streichern des Kronos Quartets an die Neuvertonung von Tod Brownings Horror-Klassikers „Dracula“ gewagt. Der nur 71 Minuten lange Schwarz-Weiß-Film mit dem charismatischen Bela Lugosi in der Hauptrolle des aristokratischen Blutsaugers war 1931 einer der ersten Tonfilme der Universal Studios und kam bis auf Tschaikowsky’s „Schwanensee“ im Vorspann gänzlich ohne Musik aus. Ein Umstand, der auch für die DVD-Wiederveröffentlichung vor einigen Jahren als untragbar empfunden wurde. Deshalb hat der Silberling seither nicht nur die originale Sprachtonspur, sondern auch den alternativen neuen Score von Glass zu bieten. Filmpuristen halten dagegen, dass gerade die Abwesenheit von Musik „Dracula“ eine albtraumhafte Atmosphäre verleiht. Hoffen wir also, dass der 1956 in seinem Dracula-Kostüm beerdigte Bela Lugosi sich nicht im Grab umdreht, wenn Philip Glass und das Kronos Quartet das Meisterwerk mit neuer Musik live nachvertonen. Schließlich soll Horror-Mime Vincent Price am aufgebahrten Sarg Lugosis dem ebenfalls anwesenden Frankenstein-Darsteller Boris Karloff zugeflüstert haben: „Man sollte ihm vorsichtshalber einen Pfahl durch das Herz treiben.“ Also Knoblauch und Kruzifixe nicht vergessen.

Text: Jörg Buttgereit

Dracula — The Music and Film, Performed by Philip Glass & Kronos Quartet, Zitadelle Spandau, Do 15.7., 21.30 Uhr, VVK: 29 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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