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Philippe Jaroussky – Der berühmteste Countertenor der Welt im Gespräch

Philippe Jaroussky, der berühmteste Countertenor der Welt, über männlich hohe Stimmen und sein neues Programm mit Arien von Cavalli

Foto: Marco Borggreve

tip Herr Jaroussky, Ihr neues Projekt beschäftigt sich mit dem bedeutendsten Schüler Monteverdis, Francesco Cavalli, von dem die Oper „La Calisto“ stammt. Warum?
Philippe Jaroussky Er verdient es. Ich würde ihn eher mit Händel oder Vivaldi vergleichen als mit seinem Lehrer Monteverdi. Er war der erste, dessen Melodien kurz und einfach genug waren, um ins Ohr zu gehen wie Pop-Songs. Ein Genie! Bei 27 überlieferten Opern übersteigt sein Werk alles, was von Monteverdi erhalten ist. Ich kenne ihn, seit ich begonnen habe. Aber erst jetzt, wo viele seiner Opern szenisch wiederentdeckt werden, habe ich den Mut gefunden.

tip Die zugehörige CD heißt „Ombrai mai fu“. Denkt man da nicht an Händel?
Philippe JarousskyWahrscheinlich habe ich das Programm so genannt, um zu provozieren. Händels berühmtes „Ombra mai fu“ stammte, wie die Musikwissenschaft weiß, ohnehin nicht von ihm. Sondern von Bononcini. Beide griffen auf einen Text zurück, den schon Cavalli vertont hatte. Das Programm ist, rundheraus, mein bislang originellstes.

tip Ihre Karriere begann vor 20 Jahren. Sie sind heute, man darf es sagen, der berühmteste Countertenor der Welt. Was hat sich ver­ändert?
Philippe Jaroussky Ich bin im Februar 41 Jahre alt geworden. Alles, was jetzt passiert, ist ein Bonus. Ich könnte morgen aufhören zu singen und wäre genauso glücklich. Aber ich habe erst jetzt, bei diesem neuen Album, aufgehört, mich auf dem Cover jünger zu machen, als ich bin. Schluss mit dem Make-up! Schluss mit ­Photoshop.

tip Als Sie anfingen, wurde im Publikum manchmal noch grell aufgelacht, weil man Ihre Stimme für einen Scherz hielt. Vorbei?
Bis vor vier, fünf Jahren konnte einem das passieren. In Fernsehshows werde ich heute noch gefragt, ob ich in Wirklichkeit ein ­Kastrat sei. Und wissen Sie was: Mich stört das kaum. Wir befremden immer noch. Na und? Man muss sich auch nicht normaler machen, als man ist.

tip Ähnlich wie Cecilia Bartoli, die ganz große Häuser meidet, ist Ihre Stimme nicht die größte. Ein Nachteil?
Sie ist größer geworden und groß genug, um demächst an der Mailänder Scala zu erklingen – übrigens gemeinsam mit Cecilia Bartoli. Es kommt nie auf die Größe einer Stimme an, sondern immer nur auf die Projektion. Wenn schlechte Schaupieler schreien, hört man sie nicht. Wenn gute Schauspieler flüstern, versteht man jedes Wort.

tip Empfinden Sie Ihre Stimme als männlich – oder nicht?
Philippe Jaroussky Stimmen von Countertenören sind hohe Männerstimmen. Ich hasse es, wenn man sagt, wir klängen weiblich. Ich versuche nie, eine Frau zu imitieren. Und könnte daraus, da ich männliche Rollen singe, auch keinerlei Sinn machen.

tip Haben Sie eine persönliche Theorie, warum so viele Countertenöre schwul sind?
Philippe Jaroussky Ich bin es. Aber das heißt nicht, dass es alle oder auch nur die meisten Countertenöre wären. Ich habe nur eines festgestellt: Liebesszenen mit einer Frau lassen sich viel einfacher über die Bühne bringen, wenn die Partnerin weiß, dass man schwul ist. Man muss nur aufpassen, dass man keinen Lachanfall bekommt. Dann ist es purer Spaß.

Konzerthaus Berlin Gendarmenmarkt, Mitte, Sa 30.3., 20 Uhr, 30–84 €

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