Konzerte & Party

Philippe Jaroussky im Konzerthaus

Philippe Jarorussky

Countertenor Philippe Jaroussky (36) ist der wohl zurzeit berühmteste Vertreter seiner fistelnden Zunft. Unfassbar virtuos dreht er die Koloratur-Rouladen. Seit mittlerweile über zehn Jahren bringt er jedes Jahr mehrere CDs heraus – am besten sein Vivaldi-Album „Heroes“, seine „Arien für Farinelli“ sowie „Carestini – The Story of a Castrato“. Jaroussky hat aus dem Außenseitermodell, das er verkörpert, eine erstaunliche Erfolgsnummer gemacht.
Seine Stimme klingt schlanker, gelenkig-spritziger, aber durchaus nicht femininer als diejenigen seiner zurzeit schärfsten Countertenor-Konkurrenten Franco Fagioli, Valer Sabadus und Max Emanuel Cencic. Im Gegenteil: ?Philippe Jaroussky, der gerne Unbekanntes ausgräbt so wie sein Vorbild Cecilia Bartoli, wäre vom Timbre her nicht verwechselbar mit einem Mezzo-Sopran. Und hat trotzdem dem „Käfig voll falscher Kastraten“, der seit Jahren die Klassik-Szene aufmischt, einen entscheidenden Auftrieb verschafft.
Sein Erfolgsrezept: Self-made-Qualitäten. Mit dem von ihm gegründeten Ensemble Artaserse tourt er fleißig durch die Lande und hat so seine Unabhängigkeit wesentlich erhöht. Der Paradiesvogel-Effekt bei seinen streng durchdramaturgisierten Programmen wird gemildert durch die – zum Teil sogar hörbare – Befürchtung, es könne bald schon aus sein mit der männersopranseligen Herrlichkeit.
Countertenöre altern rascher, wenn man von Ausnahmen wie dem Urvater der Bewegung, Alfred Deller, einmal absieht. Der zwitscherte noch mit über 60 seine elisabethanischen Lieder. Viele andere dagegen, darunter David Daniels und Jochen Kowalski, sind längst wieder auf dem Rückzug. Was nicht an der schwindligen Höhe liegt, in der diese Sänger singen. Sondern eher daran, dass es für ihre Ausbildung noch keine optimale Grundlage gab, als vor Jahren erstmals plötzlich wieder Countertenöre auftauchten. Jaroussky-Konzerte haben aus diesem Grund immer noch einen zusätzlichen Abgrund unter dem doppelten Boden.
Auch bei seinem neuen Programm, das unter dem Titel „Pietа“ Sakralwerke von Antonio Vivaldi versammelt. Er singt Ausschnitte aus jenem Teil des Gesamtwerks des „Prete Rosso“, der als musikhistorisch bedeutender gilt als die „Vier Jahreszeiten“. Im Konzerthaus stellt er von seiner neuen CD das „Stabat Mater“ und die Sopran-Motette „Longe mala umbrae terrores“ vor, vermehrt um Opern-Arien. Man kann sicher sein: Höher geht’s nimmer.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Virgin Classics / Simon Fowler

Philippe Jaroussky, Konzerthaus, So 14.12., 20 Uhr, ?Karten-Tel. 20 30 921 01

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