Konzerte & Party

Phosphorescent im Berghain/Kantine

Phosphorescent

Als Matthew Houck im Winter vor einem Jahr in seinem Studio in Brooklyn saß, nach exzessiver und erfolgreicher Tour zum von der Kritik gefeierten Album „Here’s to Taking It Easy“, da hätte er sich eigentlich zufrieden zurücklehnen können. Stattdessen wurden die Dinge schwierig. Die Tour hatte den Songpoeten mit Faible für Americana-Klassiker ausgebrannt – kein Wunder für jemanden, der wie Houck an jedem Abend in Seelenabgründe eintaucht. „Ich dachte schon daran, überhaupt keine Phosphorescent-Platte mehr zu machen“, erzählt er. „Dann habe ich monatelang mit Klängen und neuem Equipment herumexperimentiert, bin dann sogar ins Studio gezogen – wie ein Mad Scientist. Aber ein Album hatte ich dabei nicht im Sinn.“ Es kam anders und die im Studio entdeckten üppigen Klangtexturen, kreisenden Echos, geisterhaft verfremdeten Geigentöne und schwebenden Gitarren-Slides wurden zum Fundament des inzwischen sechsten Albums. Schuld daran war eine Verschärfung der persönlichen Krise: ein dramatisches Beziehungs-Aus, ein abrupter Auszug, ein spontaner Trip nach Mexiko an den Strand. „Ich wollte aus meinem Leben auschecken“, erzählt Houck. Die Flucht in den Süden schreibt sich als warmes Echo ins Album ein, „Muchacho’s Tune“ etwa ist ein übernächtigter Blues, in dem Houck eine grimmige Abrechnung mit dem Song-Ich betreibt: „I’ve been fucked up and I’ve been a fool“, seufzt er, gefolgt von einem einsamen Mariachi-Trompetensolo. Inzwischen kennt Houck wieder den Drang, raus auf die Bühne zu gehen und sich Abend für Abend auf die inneren Dämonen einzulassen.

Text: Ulrike Rechel

Phosphorescent, Berghain/Kantine, Sa 11.5., 20 Uhr, VVK: 12 Euro zzgl. Gebühr

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