Konzerte & Party

Plan B im Lido

Plan B

Nun kehren Plan B nach 18 Jahren und einem Ende mit Schrecken zurück auf die Bühne. Wir sprachen mit der Band um Sänger Johnny Haeusler.

tip Das futuristische Geräusch, mit dem 1993 eure letzte Platte „Cyber-Chords And Sushi-Stories“ begann, war das Fiepen eines Faxgerätes …
Johnny?Es war genauer gesagt das Übertragungsgeräusch von einem Modem. Ja, das war damals etwas, das kaum noch jemand kannte und jetzt ist es schon wieder vorbei, jetzt haben wir alle DSL.

tip Wenn Plan B nun wieder eine Platte aufnehmen würden, was bekäme man dann wohl als Erstes zu hören?
Johnny Jetzt wäre das erste Geräusch wohl eher ein Einzähler. Eins, zwo, drei, vier.

tip Nach besagter Platte kam nichts mehr. Wieso eigentlich? Ihr wart nicht nur trendy, sondern sogar eurer Zeit voraus, habt neueste Technologien neben dem Grundinstrumentarium des Rock’n’Roll benutzt, aber sie – wie in „Telecommunication Cripples“ – auch hinterfragt …
Johnny Was aber auch unser Kreuz war. Wir haben sehr viel experimentiert, aber manche Sachen waren einfach zu früh.

tip Und was war dann der Auslöser für eure Trennung? …
Johnny Wir haben 1994 in New York ein Album gemacht, vier Monate lang. Alle von der Plattenfirma, die ab und zu rüberkamen, fanden es voll geil, und als wir dann in Deutschland zurück waren, saßen wir mit Thomas Stein am Tisch und der sagte: So was kann man nicht verkaufen. Diese Platte mache ich nicht. Dann fragten wir, wie oft er denn das Album gehört habe, und seine Antwort war: Gar nicht, ich verlass mich da auf meine Mitarbeiter.
Beckmann?(lacht) Old Business …
Johnny Dabei hatten wir eigentlich noch zwei Alben bei denen offen. Wir haben uns von dem Rechtsstreit, der darauf folgte, restlos frustrieren lassen.
Perzi?Das ganze Herzblut von vier Monaten steckte ja da drin. Du kommst dann nach Deutschland zurück, denkst, jetzt geht die Tournee los, die Promo, die übliche Maschinerie, und dann passiert gar nichts.
Johnny?Dann haben wir eine Frustentscheidung getroffen und Schluss gemacht. Ich weiß ja nicht, wie es bei den anderen war, aber ich dachte: Na ja, ich fange bald wieder an mit der Musik, mache ein Soloprojekt oder so, hab dann aber schnell feststellen müssen, dass das nicht so einfach ist. Die ersten Jahre hat man dann überbrückt mit anderen Projekten und anderen Jobs. Irgendwann hat man aber gemerkt, es fehlt schon was.
Perzi?Das war ja auch kein harmonisches Ende, sondern ein abrupter Schluss. Wir haben da quasi noch eine Rechnung offen.

Plan Btip Eure Übergangsjobs sind längst Existenzgrundlage geworden. Johnny wurde Radiomoderator und gründete den Blog Spreeblick, Perzi ist Designer und Beckmann, neu als Bassist dabei, verdient sein Geld als Filmmusikberater. Was war der Auslöser, es gerade jetzt wieder wissen zu wollen?
Johnny Na, jetzt kann man ja mit Musik wieder richtig Geld verdienen (allgemeines Gelächter). Nee, nee. Man nimmt sich eben die Zeit, die man sich leisten kann. Aber wir wissen natürlich, dass es ewig dauern wird, bevor dann noch einmal Geld fließt. Im Moment ist es eher so, dass es viel Geld kostet.
Beckmann?Wir managen uns selber, haben eine Roadcrew, eine Agentur, eine Webpräsenz, es gibt das alte Logo, nun werden schon wieder T-Shirts gedruckt und plötzlich ist das fast schon ein Fulltime-Job.
Johnny?Wobei wir natürlich auch neue Wege gehen. Erstens: Wir wollen unsere ganzen Rechte von der Plattenfirma zurückhaben. Da sind wir gerade am Verhandeln. Künftig werden uns also unsere ganzen alten Aufnahmen wieder gehören, die neuen dann sowieso. Aber dann stellt sich auch die Frage: Wie finanzierst du solch eine Band, eine Plattenproduktion. Da sind wir auf die vielleicht zunächst etwas abwegig klingende Idee gekommen, uns unser eigenes kleines Studio zu bauen. Und dafür suchten wir uns einen Partner. Wir haben ein Konzept geschrieben und das an Hornbach geschickt, eine Baufirma: Jungs, wir bauen jetzt einen Übungsraum mit euren Materialien und ihr bezahlt das. Und das haben sie dann auch gemacht.

tip Da könnt ihr von Glück sagen, dass die Marke Plan B bis heute unbeschädigt ist.  
Johnny ?Das war ja nicht so, dass Hornbach gesagt hat: „Ach, Plan B, endlich!“ Man musste denen das schon erklären, es ist ja nicht so, dass die Welt jetzt unbedingt auf Plan B gewartet hat. Sondern wir müssen uns erst mal wieder beweisen. Deswegen haben wir auch ein Video gemacht und bei Youtube eingestellt – wie sehen die jetzt aus, wie bewegen sie sich, wie klingen die jetzt.

tip Und wie klingen Plan B jetzt?
Johnny?Also ich hätte keine Lust, zu einer eigenen Coverband zu werden. Ich spiele die alten Songs gerne, das macht tierisch Spaß, aber wir touren jetzt noch einmal mit den Sachen, und ab nächstem Jahr gibt es dann was Neues. Und das empfinde ich auch als Herausforderung: Kann man damit noch mal 25-Jährige ansprechen? 
Perzi?Die alten Sachen klingen ja jetzt schon allein anders, weil wir mit Beckmann und Sven zwei neue Musiker dabei haben.

tip Habt ihr die alten nicht mehr zusammenbekommen? 
Johnny?Bei vier erwachsenen Männern ist es eben viel schwerer die zusammenzukriegen, als wenn du vier 20-Jährige hast. Jeder hat sein eigenes Leben inzwischen, seine eigenen Projekte und sein eigenes Kreuz zu tragen, und da ist das eben nicht für jeden gleich der passende Zeitpunkt. Also brauchte es Leute, die zu Perzi und mir passen. Die uns kennen, die aus der gleichen Zeit stammen, die man mag, mit einem ähnlichen musikalischen Background und am besten sogar noch Berliner.
Sven Schumacher?Ich habe noch nie so richtig erfahren, wie ihr da überhaupt auf mich gekommen seid …
Beckmann?Ich hab dich vorgeschlagen. Wir haben gesessen und gesagt: Wir brauchen einen, der gut Gitarre spielt, aber auch singen kann. Hans Hackenberger, der derzeit nicht dabei ist, war ja auch ein exzellenter Sänger.
Sven?Schön, dass ich das durch dieses Interview nun auch noch mal erfahre.

tip Wie verläuft eigentlich bei Plan B die aktuelle Diskussion ums Urheberrecht? Du, Johnny, als Blogger und Mitbegründer der re:publica, und Beckmann, der Musikberater und Verleger, habt doch vermutlich kontroverse Ansichten … 
Johnny?Manchmal ja, aber wir sind beide Menschen, die sich auch für andere Gedanken interessieren und zuhören können. Obwohl ich mit diesem Internetscheiß viel zu tun habe, bin ich ja eher auf der anderen Seite. Ich glaube nach wie vor, dass das Urheberrecht unantastbar ist, und wahnsinnig wichtig ist für Künstler, anderseits sehe ich aber auch, dass es total verbohrt wäre, sich eine Zeit von vor zehn Jahren zurückzuwünschen.
Beckmann
?Im Moment ist diese Diskussion ganz schön aufgeladen. Wobei sich die Verhältnisse schon seit den Neunzigern geändert haben. Seitdem macht man Platten, um auf Tour zu gehen und nicht mehr touren, um Platten zu promoten. Viele große Bands haben das gesehen, haben eigene Labels, eigene Verlage, die ganze Verwertungskette. Aber wer das verpennt hat, der steht dumm da.
Johnny?Wir sind im Jahr zwölf nach Napster. Da muss man einfach wahrnehmen, dass du eine digitale Kopien nicht mehr verhindern kannst, es sei denn, du kontrollierst das gesamte Internet, jeden Datenfluss. Kein Künstler der Welt kann das wollen. Momentan besteht eine große Unsicherheit. Mein Zehnjähriger bastelt sich eine eigene Web­site und möchte gerne seine Lieblingslieder draufpacken, damit alle wissen, was er gerne hört. Das darf er gar nicht.

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