Konzerte & Party

Planningtorock im Berghain

Planningtorock

Wer eine Verabredung mit Janine Rostron alias Planningtorock hat und am Treffpunkt nach der seltsam statuarischen Dame auf dem Cover ihres Albums sucht, braucht Abstraktionsvermögen. Den avatarmäßigen Höcker, den sich die Sängerin auf den Nasenrücken modelliert hat, sollte man sich wegdenken. Auch so ist die Britin keine graue Maus; mit Sonnenbrille, gescheiteltem Langhaar und bis zum Hals zugeknöpftem Jeanshemd könnte sie als Spionin aus einem Siebziger-B-Movie durchgehen. Offenbar bereitet es ihr Vergnügen, mit Selbstbildern zu spielen.
Das gilt besonders für die lodernde Klangästhetik ihres zweiten Albums „W“. Zu Beginn erklingt ihr Gesang um einige Tonlagen tiefer als erwartet. Die Atmosphäre ist ins Irreale getaucht, macht neugierig auf die Ich-Person, die Sätze singt wie: „I know my feelings under my deep skin.“ Um Verwirrung zwischen den Geschlechtern geht es der Musikerin und Produzentin jedoch nicht. „Der Song vermittelt für mich eine bestimmte Gefühlslage, die ich ausdrücken möchte. Verändere ich nun meine Stimme ein wenig, verstärkt sich dieses Gefühl“, erklärt sie. Ihren chamäleonhaften Gesang kombiniert die studierte Videokünstlerin mit sparsam orchestrierten, dramatischen Tönen um Streicher, Synthies und Saxofon. „Ich setze diese Instrumente so ein, wie sie normalerweise nicht anzutreffen sind“, erzählt sie, „das Baritonsaxofon etwa hat etwas ziemlich Aggressives, man kann ihm nicht ausweichen. Ich benutze es dort, wo normalerweise ein Bass zu hören wäre. Die Pizzicato-Partien der Streicher ordne ich der Rhythmusabteilung zu“. Hinter dem vermeintlichen Minimalismus öffnet sich eine diffizile Inszenierung – und ein einnehmender Sinn von Schönheit. Die offenbart sich erst auf den zweiten Blick und hallt dann lange nach.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Norman Konrad / www.normankonrad.de

Planningtorock + Creep + Love Inks + Gazelle Twin, Berghain, Do 13.10., 20 Uhr, VVK: 20 Euro

Mehr über Cookies erfahren