Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Rebecca Ferguson: HeavenX-Factor-Supertalent
Adele hat gleich 80 Mal für sie gestimmt. Das verhalf Rebecca Ferguson zwar nicht zum ­X-Factor-Sieg, doch immerhin hat die 25-Jährige aus Liverpool im Herbst ihr Debütalbum veröffentlicht – nun, mit langweiligerem Cover, auch bei uns. Der Sixties-Retro-Anteil hält sich in Grenzen, die Band bzw. das Orchester fühlt sich eher im funky Phillysound der Siebziger als bei Motown zu Hause. Der unmittelbar spürbare Interpretationswille setzt den zeitgeistigen Gegenpunkt, zudem ist Miss Ferguson eine Ausnahmesängerin. Ihre Message ist zwar noch etwas dünn – nichts zählt mehr als die Liebe –, aber die beteiligten Songwriter haben Erfahrung mit Adele, Daniel Merriweather und James Morrison und bewahren sie vorm Fake. Genau das setzt dieses warme Soulalbum von der Masse modernen R&Bs ab.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Annehmbar

Rebecca Ferguson, Heaven (RCA/Sony)

 

Spiritualized: Sweet Heart Sweet LightRock-Wahnsinn
Jason Pierce lässt sich in der Regel viel Zeit für die Produktion eines neuen Albums. Jetzt waren es vier Jahre seit dem Vorgänger „Songs In A&E“. Aufgenommen hat er dieses Mal in Wales, Los Angeles und Reykjavнk. Der Einstieg fällt temperamentvoll aus. Zuerst steigert sich Pierce in „Hey Jane“ in einen manischen Fieberrausch, der zum Ende hin nachlässt und durch versöhnliche Klänge aufgelockert wird. Auch an anderen Stellen ist Pierce damit beschäftigt, das Chaotische in sich zu zügeln. Das merkt man, wenn er mit Avantgarde-Jazz flirtet (nach eigener Aussage ist er Fan von Peter Brötzmann). Gleichzeitig fällt auf, dass er mehr denn je bereit ist, den Pop an sich heranzulassen. „Little Girl“ hat Ähnlichkeit mit „Soul On Fire“ vom letzten Album, hier spürt man Nähe zu den guten Tagen von The Verve. Einer der letzten Wahnsinnigen im Rock hat viel gewagt und gewonnen.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Spiritualized, Sweet Heart Sweet Light (Double Six/Good To Go)

 

Lyle Lovett: Release MeWo ist der Hut?
Man denkt an eine Frau, doch tatsächlich gilt Lovetts Befreiungswunsch seiner Plattenfirma, mit der er seit über 25 Jahren verbandelt ist. Prompt liefert er nur Standard ab. Mit nur drei eigenen Songs ist es vor allem eine Verbeugung: Jesse Winchester, Townes Van Zandt, Chuck Berry, Eric Taylor und sogar Martin Luther („Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort“) liefern die Originale. Doch das alles wirkt ein bisschen müde, bedenkt man, dass es hier um den geistreichsten, humorvollsten und nicht zuletzt elegantesten Vertreter der Neotraditionalisten der Achtziger geht. Ein Stück wie „Isn’t That So“ gerät mit R&B-Gospelflair zum Highlight, und in „The Girl With The Holiday Smile“ blitzt der alte lyrische Schalk auf. Jetzt eine kreative Pause einlegen und dann zu alter Größe auflaufen: Das wär’s!

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Annehmbar

Lyle Lovett, Release Me (Curb/Lost Highway)

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