Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

anathemaweathersystemsGeniale Gratwanderung
Genau wie zwischen Genie und Wahnsinn ist es oft auch nur ein schmaler Grat zwischen Kitsch und Kunst. Und wenn man bedenkt, dass Anathema einst als Doom- und Gothic-Metal-Band angefangen haben, erstaunt es schon, wie spielend es das britische Musikerkollektiv heute mit seiner sphärischen Mischung aus Prog- und Alternative-Rock schafft, die Klippen des Kitsches trotz großer Streicher-Arrangements nicht nur zu umschiffen, sondern auch in Richtung Genialität zu segeln. Das mittlerweile zehnte Studio-Album wird beherrscht von Melancholie im ausufernden Stil. Was am Anfang eines Songs oft nur mit einer akustischen Gitarre beginnt, weitet sich über eine am Folk orientierte Gesangslinie hin zum großen orchestralen Streicher-Finale. Absolutes Highlight: der Neunminüter „The Storm Before The Calm“ – selten klang Melancholie derart bedrohlich und eisig kalt.

Text: Martin Zeising

tip-Bewertung: Herausragend

Anathema, Weather Systems (K Scope / Edel)


actressFeinste elektronische Collagen
Man hat vorher schon viel Gutes von ihm gehört. Jetzt kann es an der Klasse dieses Produzenten gar keinen Zweifel mehr geben. Mit nahezu jedem Track holt Darren Cunningham alias Actress den Stil großer Tüftler auf dem Gebiet von Techno und Electronica zurück. Man denkt an die Ambient-Zyklen eines Aphex Twin. An den Minimalismus von Oval. An die Ästhetik von Basic Channel. Oder an die Verfremdungstechniken des Dubstep-Produzenten Burial. In „Shadow Of Tartarus“ dominiert lautes Grummeln, das an die Geräusche eines alten Flugzeugs angelehnt zu sein scheint. Für „The Lord’s Graffiti“ hat Cunningham ausnahmsweise einen 4/4-Beat hervorgeholt. Das geschah aus Bewunderung für das Werk des Outlaws Theo Parrish. Ein Zugeständnis an die Rave-Gemeinde sollte man nicht dahinter vermuten. Nichts läge Feingeist Cunningham ferner.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Herausragend

Actress, R.I.P (Honest Jon’s / Indigo)


The_Dandy_WarholsRückkehr der Leichtigkeit
Titel und Cover spielen auf einen berühmten Slogan von Woody Guthrie an („This machine kills fascists“) und unter den Songs befindet sich eine Version von Tennessee Ernie Fords Oldie „16 Tons“. Das sind ermutigende Hinweise. Eine gute Band erkennt man auch daran, dass sie geschichtsfest ist. Der Eigenanteil des Albums hat es aber auch in sich. „The Autumn Carnival“ ist kein Song, der sich sofort ins Ohr frisst. Aber je öfter man zuhört, desto schwerer kommt man von diesem psychedelischen Nachtschwärmer-Vibe mit seinen raffiniert eingeflochtenen Melodiefragmenten los. Die unaufdringliche Art, mit der die Bohemiens aus Portland hier aufspielen, macht das Album stark und steht im angenehmen Kontrast zu den verzweifelten Spielereien mit Pop und extremen Stilbrüchen in der jüngeren Band-Vergangenheit.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

The Dandy Warhols, This Machine, (Naпve / Indigo)

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