Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Maximo Park, The National HealthIndie-Rocker berappeln sich
Fehlt den britischen Indie-Bands der Nullerjahre auf Dauer das Potenzial? Was Maxпmo Park angeht, hatte man da so seine Befürchtungen. Das letzte Album war eine Riesenenttäuschung. Jetzt rücken die fünf Musiker aus dem Nordosten Englands die Verhältnisse wieder zurecht. Es geht ihnen nicht mehr darum, den eigenen Sound für Festival- oder Stadionauftritte aufzublähen. Sänger Paul Smith steigt sehr gefühlvoll ein und ist auch sonst bemüht, nicht immer so zu singen, wie man es von ihm seit acht Jahren kennt. Er kommt viel besser auf den Punkt. „Take me home, I want you“, fordert er. Die restliche Band begleitet ihn stürmisch, was an Nick Lowe zu dessen besten Zeiten erinnert. Auch Smith’s Bemühungen, den trostlosen Zustand der britischen Nation in seine Gedanken mit einzubeziehen, wirken unverkrampft und passend.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Maxпmo Park, The National Health (Vertigo / Universal)

 

Regina Spektor: What We Saw From The Cheap SeatsDie Popspielerin
Regina Spektor ist mittlerweile 32. Dennoch weckt die klassisch geschulte Pianistin mit der glasklaren Stimme „Wunderkind“-Assoziationen. Das ist auch auf dem mittlerweile sechsten Album der New Yorkerin nicht anders. Ein bisschen erinnern ihre gesammelten Kammerpopsongs darauf an ein schillerndes Nummerntheater. Die Songs sind oft spaßig, teils aber auch großäugig ernst. Mal besingt Spektor mit falschem Italo-Akzent einen Jungen namens Marcello, mal betrachtet sie die sonderbare Welt öffentlich handelnder Figuren („Ballad Of A Politician“). Und gerade wenn man sich nach etwas mehr Tiefen sehnt, zeigt sich die Popspielerin in Songs wie „Open“ dann wieder von einer anrührenden femininen Seite.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

Regina Spektor, What We Saw From The Cheap Seats (Warner)

 

Dexys: One Day I'm Going To SoarComeback eines Sonderlings
Wie Selbstzerstörung geht, weiß Kevin Rowland nur zu gut. Anfang der Achtziger war er ein Star, Ende der Neunziger blamierte er sich mit Auftritten in Frauenkleidern bis auf die Knochen. An eine Rückkehr glaubte keiner mehr. Mit Mick Talbot als kreativem Partner und Ur-Dexy Pete Williams am Bass versucht er es jetzt doch wieder. Rowlands Stärke war es ja, dass er den Soul sehr speziell lesen konnte. Das gelingt ihm in der nach Al Green schielenden Schwärmerei „I’m Thinking Of You“ erneut sehr gut. In „Incapable Of Love“ tauchen die Bläsersätze auf, die im Nu die Stimmung heben. Es fällt auch auf, dass Rowland gelernt hat, sich nicht zu ernst zu nehmen. So ehrlich, menschlich und sympathisch wie in den Konversationen und Duetten auf diesem Album kam dieser kapriziöse Kerl noch nie herüber.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Dexys, One Day I’m Going To Soar (Buback/Indigo)

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