Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Amy Macdonald: Life In A Beautiful LightWeitschweifiges Mosaik
Amy Macdonald meldet sich mit dem zurück, was ihrem Debüt „This Is The Life“ über Monate einen festen Platz in den europäischen Charts bescherte. Die Schottin liefert Pop mit deutlichen Folkanleihen, Bläsern, Streichern und Piano, aber vor allem mit Melodien, die sofort vertraut klingen, ohne sich aufzudrängen. Mal pathetisch, mal euphorisch und immer stimmlich unverkennbar. Schon 2007 sprach sie etwa mit „Poison Prince“ auch ernste Themen an, die man der damals 18-Jährigen fraglos abkaufte. Die Unbekümmertheit einer Newcomerin ist nun aber das, was fehlt. Macdonald singt über das Grubenunglück in Chile, Alzheimerpatienten, konkurrierende schottische Football-Teams und den arabischen Frühling. So schafft sie ein grüblerisches Mosaik, aber kein großes Gesamtbild.

Text: Alex Fughof

tip-Bewertung: Annehmbar

Amy Macdonald, Life In A Beautiful Light (Universal)

 

Fiona Apple: The Idler Wheel Is Wiser...Keine Schonung
Fiona Apple schien abgetaucht. Gleichzeitig wuchs der Einfluss ihres intensiven, persönlichen Erzählstils auf nachrückende Folk-Songschreiberinnen wie Laura Marling oder Anais Mitchell. Nach ganzen sieben Jahren Pause zeigt sich die New Yorkerin auf ihrem vierten Album als entsprechend gereifte Frau, die sich selbstbewusst wie verwundbar zeigt und ihre bitteren Lehren, ironischen Gedanken und leisen Hoffnungen unmittelbar in die Musik überträgt. Ihre schöne, nachgedunkelte Stimme klingt so direkt, als singe sie vor einem Kreis Eingeweihter. Dazu passen die konzentrierten Arrangements um Apples Klavierspiel und das farbenfrohe, experimentelle Schlagzeug von Gegenpart Charley Drayton. Alles andere als gefällig überträgt sich die Dringlichkeit dieser nackten Gefühlsoffensive.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert

Fiona Apple, The Idler Wheel Is Wiser… (Epic / Sony)

 

A Place To Bury Strangers: WorshipInspirierter Noise-Rock
Endlich mal wieder eine Indie-Band, die zu allem bereit ist! Sie weckt Erinnerungen an den düsteren Achtziger-Sound, vor allem durch Hall, trocken tönendes Schlagzeug und mit einem Stück, das der Pop-Phase von The Cure entnommen sein könnte. Ruhepausen gibt es. Aber dieses New Yorker Duo ist dann besonders gut, wenn es den Turbo anwirft, bedrohliches Dröhnen wie bei einem alten Flugzeugmotor nachahmt und den misanthropischen Ruf nach Rache ausstößt. Dann spürt man eine Energie, die unter die Haut geht.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

A Place To Bury Strangers, Worship (Dead Oceans / Cargo)

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