Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

The Gaslight Anthem: HandwrittenIm Vollgasmodus
Kaum ein US-Rocker unter 40 verkörpert den loyalen Kerl, den man beim Wort nehmen kann, besser als Brian Fallon von The Gaslight Anthem. Mit einer Stimme, die klingt, als gurgele er morgens Brennspiritus, behandelt er Stoffe, aus denen Hollywood-Dramen gemacht werden: verfliegende Jugend, vergehende Liebe, Sehnsucht. So hält es die Band aus New Jersey auch auf ihrem vierten Album, das überwiegend im Vollgasmodus vorbeizieht. Der Titeltrack, „Mulholland Drive“ oder auch der Song „45“ klingen wie Klassiker; versehen mit extrafülligen Gitarren bieten sie reichlich Identifikationsmöglichkeiten für den inneren James Dean im Manne. So bleiben sich The Gaslight Anthem treu. Was natürlich auch heißt: Die vier Herren liefern nicht gerade Neues – das aber wenigstens in guter Form.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

The Gaslight Anthem, Handwritten (Universal)

 

Dead Can Dance: AnastasisGewohnte Grandezza
Das erste Album von Dead Can Dance seit 16 Jahren eröffnet bereits mit den ersten Keyboard-Klängen einen weiten imaginären Raum: stimmige Szenerie für Brendan Perrys von Trommeln flankierten Bariton. Er ist auch im Folgenden für Scott-Walker-hafte Grandezza zuständig. Lisa Gerrards Sirenengesang wiegt sich in Songs wie „Agape“ in orientalischer Melodik. Die Klangpalette der Australier aus Tasten- und traditionellen Instrumenten aus dem mediterranen und nordafrikanischen Raum badet tief in kathedralenhaftem Hall.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert

Dead Can Dance, Anastasis (PIAS)

 

Nas: Life Is GoodDer Rapper richtet sich auf
Eines muss man Nasir Jones lassen: Ihm fällt immer wieder ein albumfüllendes Thema ein. Zuletzt beschäftigte er sich mit dem absterbenden HipHop und der Euphorie nach dem Wahlsieg von Obama. Jetzt ist seine Ex-Gattin Kelis dran, mit der er im Unfrieden auseinandergegangen ist. Der mickrige Rest des Hochzeitskleides auf dem Cover spricht Bände. „This goes to her with love“, bekräftigt er zum Einstieg. Danach erklärt er ihr noch mal, was es bedeutet, sich mit einem Kämpfer aus dem New Yorker Stadtteil Queensbridge einzulassen. Mit einem Mann, der sich nicht nur die ganze Zeit eine Frau angucken kann („Summer On Smash“). Die Stimmung ist aufgeheizt, aber zum Schluss bleibt doch Zeit für versöhnliche Worte und mehr Soul. Da stößt man in „Cherry Wine“ auf die Stimme von Amy Winehouse. Auch mit ihr hatte Nas Großes vor, aber daraus wurde aus anderen Gründen nichts.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Nas, Life Is Good (Def Jam / Universal)

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