Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Boys Noize: Out Of The BlackElectro mit Zwischentönen
Viel Hoffnung auf Abwechslung macht er dem Hörer nicht. „This is what you want, this is what you get“, deklariert Alex Ridha zu Beginn in Anlehnung an Public Image Ltd. Das ist zum Glück ironisch gemeint. Sicher: In „Stop“ bollert der Beat schon mal ohne Rücksicht auf Verluste, unterstützt von verstörten Geräuschen links, rechts und in der Mitte. Ridha arbeitet auch mit dem Ur-Electro aus der Generation von Arthur Baker oder mit derbem Industrial-Unterfutter. Er hat sich dieses Mal aber geweigert, seinen Power-Trip auf die Spitze zu treiben. Es gibt auch Tracks, in denen die Beatbox zurückhaltend tackert und sich alles gefühlvoll steigert. Außerdem macht der gebürtige Hamburger Fortschritte bei der Aussöhnung mit seinen HipHop-Wurzeln. Mit Snoop Dogg könnte er mehr machen, der Kostprobe „Got It“ nach zu urteilen.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Boys Noize, Out Of The Black (BNR/Rough Trade)

 

The Avett Brothers: The CarpenterHerz am rechten Fleck
Jeder Lebensabschnitt ist eine Lektion und wird ans Publikum weitergegeben. „We bloom like roses, lead like Moses, out and away“, heißt es ironiefrei in „Live Or Die“, einem ihrer unmittelbar wirkenden Folk-Rocker. Das schaffen nur sie: überschäumende Lebensenergie und kathartische Introspektion immer wieder zu einem Album zu bündeln. Nach dem von Rick Rubin produzierten Vorgänger  sitzt der Fokussier-Berater erneut an den Controls und hatte wohl nichts dagegen, dass das Trio nun auch seine Grunge-Wurzeln würdigt und mit „Paul Newman vs. The Demons“ das beste Nirvana-Stück seit Langem liefert. Dabei sind sie in „I Never Knew You“ durchaus beatleesk und würdigen ansonsten die texanische Songwriterkultur а la Jerry Jeff Walker und Townes Van Zandt, denen sie gleich im Opener ein Denkmal setzen.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

The Avett Brothers, The Carpenter (Universal)

 

Flying Lotus: Until the Quiet ComesDer Alchemist
Flying Lotus steht mit seinem Brainfeeder-Label aus L.A. für einen stilprägenden Sound. Sein viertes Album wirkt nun wie die Blaupause seiner Klangsprache. Die Tracks sind aus einer Myriade origineller Partikel gewebt und fließen ineinander: knarzende Funk-Synth-Bässe, Zufallsgeräusche, Computer-Game-Melodien, mikroschnelle Händeklatscher, knisternde Elektronik – oft verkuppelt mit coolen jazzigen Tönen von Mellotron, Gitarre oder Percussion. Gesangseinwürfe, etwa von Erykah Badu oder Thom Yorke, tauchen auf und ab, in „DMT Song“ säuselt ein Chor liebevoll die drei Lettern des gleichnamigen Halluzinogens. Ausformuliert wird nichts in diesem flimmernden Strom, was auch frustrieren kann. Doch genau diese Wirkung ist Teil des Konzepts.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

Flying Lotus, Until the Quiet Comes (Warp Records/Rough Trade)

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