Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Kylie Minogue: The Abbey Road SessionsWeihnachtsgesäusel
Wer bei der Idee zum neuen Album von Kylie Minogue zwangsläufig an Tori Amos denken muss, liegt so falsch nicht. Genau wie die US-Amerikanerin hat sich „Geily Kylie“ die größten Erfolge ihrer langen Karriere noch einmal vorgenommen und mit Live-Band und Orchester neu eingespielt. Wobei die Australierin mitunter durchaus ex­tremere Wege im Neu-Arrangement geht. Wenn dann jedoch Pop-Perlen und Disco-Klassiker der 80er- und 90er-Jahre wie bei „I Should Be So Lucky“ plötzlich nach schwülstiger Streichernummer mit Pianobegleitung klingen, mag das erwachsener wirken – besser ist es allerdings nicht. Einzig die in der Instrumentierung stark he­runtergefahrene Neuaufnahme des Nick-Cave-Duetts „Where The Wild Roses Grow“ mag hier überzeugen. Alles andere klingt irgendwie nach belanglosem Weihnachtslied.

Text: Martin Zeising

tip-Bewertung: Zwiespältig

Kylie Minogue, The Abbey Road Sessions (Parlophone/EMI)

 

Clinic: Free ReignArt-Rock der Extraklasse
Wenn es in England am Tag zuvor mal wieder reichlich geregnet hat und man morgens aus dem Haus schaut, sieht man nichts als dichte Nebelschwaden. Clinic haben sich überlegt, wie eine Band klingen müsste, wenn sie mitten in dem ganzen Dunst einen Auftritt hätte. Mit Hi-Hat-Zischeln, sanft insistierendem Bass, zitternder Orgel und einer nach hinten gemischten Stimme kommt das Resultat der Wahrheit sehr nahe. Es ist ein perfekter Album-Einstieg, auf den mit den psychedelischen Jazz-Spinnereien „Seesaw“ und „Cosmic Radiation“ gleich die nächsten Höhepunkte folgen. In „Miss You“ kommen Gitarren-Twang, Easy-Listening-Break und ein grimmiges Outro nach Art von Wire zusammen. Die Liverpooler spielen ohne künstliche Aufregung einen genialen Art-Rock-Streich nach dem anderen und nötigen dem Hörer damit erneut größte Bewunderung ab.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Herausragend

Clinic, Free Reign (Domino/Good To Go)

 

Van Morrison: Born To Sing: No Plan B35. Studioalbum
Besitzt man vierunddreißig Alben von Van Morrison, kennt man eigentlich alles, was der Ire zu bieten hat. Und weiß, dass er wirklich zum Singen geboren ist – einer der besten Sänger unserer Zeit. Mit einzigartigem Ausdruck in der Stimme, unnachahmlichen Phrasing: Herz und Seele. Blues, Soul, Jazz, Rock’n’Roll, Celtic Folk. Doch auch wer vertraut ist mit dem kompletten Њuvre des fast 50 Jahre umspannenden Werkes, kann sogar noch beim 35. Album respektvoll konstatieren, was für ein überragender Sänger und Songschreiber Van The Man mit 67 Jahren immer noch ist.

Text: H.P. Daniels

tip-Bewertung: Hörenswert

Van Morrison, Born To Sing: No Plan B (Exile/Blue Note Rec)

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