Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Big Boi: Vicious Lies And Dangerous RumoursHip-Pop vom Outkast-Mann
Das bunte Cover hat er sich nicht umsonst ausgesucht. Big Boi ist keiner, der nur in eine Richtung denkt. Er liefert auch auf seinem zweiten Soloalbum keinen konventionellen Hip-Hop ab. Stattdessen holt er für drei Stücke das Duo Phantogram zu sich und versucht er sich am Electro-Pop, in allen Fällen erfolgreich. Mit Little Dragon und Killer Mike wird es in „Thom Pettie“ düsterer und rockiger. In „Mama Told Me“ sind die Beats von Prince nicht zu überhören und Gast Kelly Rowland ebenfalls nicht. Beim Hören dieses Albums kann man sich nie sicher sein, was noch kommt. Big Boi hat sich am Konzept des weißen Albums der Beatles orientiert und die unterschiedlichen Einflüsse mit einer cyberdelischen Schicht überzogen.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Big Boi, Vicious Lies And ­Dangerous Rumours (Def Jam / Universal)

 

Poppy Ackroyd, EscapementSchichtweise
Auf ihrem von Anfang bis Ende allein verwirklichten Debütalbum spielt Poppy Ackroyd drei Instrumente: Klavier, Geige und Tonstudio. Letzteres benutzt sie zur Umsetzung ganz eigenwilliger Kompositionseinfälle zwischen Kammermusik, Minimalismus und Ambient. Die klassisch ausgebildete Neuentdeckung aus Edinburgh bedient auf zahllosen Tonspuren nicht nur die schwarzen und weißen Tasten, sie streicht zudem wie eine Harfenistin über die Klaviersaiten, hämmert rhythmisch auf den Holzkorpus. Ihrer Geige entlockt sie dazu archaisch anmutende Tonblöcke. In den besten Momenten wirken die sachte gewellten Klanglandschaften der Wahlschottin so urzeitlich, als hätten sich „Sound-Sedimente“ über einen Zeitraum von Jahrmillionen abgelagert und aufgeschichtet.

Text: Harald Kepler

tip-Bewertung: Annehmbar

Poppy Ackroyd, Escapement (Denovali Records / Cargo)

 

Isis: TemporalZapfenstreich
Isis‘ letztes Album „Wavering Radiant“ war ein Prachtexemplar ihrer dichten Klangmalerei um verwobene Instrumentalpassagen, massige Riffs und klassische Melodik. Darauf trennte sich die Post Metal-Truppe aus L.A., worüber nun eine Doppel-CD mit Raritäten etwas hinwegtrösten soll. Den dramaturgischen Bogen eines regulären Albums besitzen solche Kompilationen selten; „Temporal“ macht da keine Ausnahme. Ein tolles, bisher unveröffentlichtes Frühwerk von 2001 ist das 16-minütige „Grey Divide“, ein verborgener Schatz aus dem Bandarchiv. Das gilt weniger für die versammelten Demos.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Zwiespältig

Isis, Temporal (Ipecac/Soulfood)

Mehr über Cookies erfahren