Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Lucy Rose, Like I Used ToHoffnungsvoll
Zillionen von Klicks führten zum Plattenvertrag. Die 23-Jährige, die vom ländlichen Warwickshire nach London ging, hat ihr Ziel erreicht. Stimmlich pflegt sie eine modische, nicht immer glaubhafte Zerbrechlichkeit, vom Klang vergleichbar mit Feist, und versammelt eine ambitionierte, trommelfreudige Band hinter sich, die jeden Folkverdacht zerstreut. Songs wie „Middle Of The Bed“, „Red Face“ und das beklemmende „Night Bus“ sind stark, haben sowohl einen verspielten wie ernsten Aspekt und zeigen Lucy Rose als wirklich interessante Songwriterin. Oft aber sind die Arrangements auch zu kompliziert, mit Ausbrüchen ins Indierock-Fach (sie sang für Bombay Bicycle Club), und es gelingen ihr zu selten Melodien, die tragen und fokussieren. Ihr Wille, der Popmusik entscheidendes Neues zuzufügen, hat hier noch nicht wirklich seinen Weg gefunden.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Annehmbar

Lucy Rose, Like I Used To (Sony)

 

Bad Religion, True NorthRoutinierte Aggression
Am liebsten hätten Bad Reli­gion auf ihrem 16. Studioalbum nur Songs untergebracht, die so schnell und auf den Punkt sind, dass keiner länger als zwei Minuten dauert. Das Ziel haben die Kalifornier knapp verpasst, eine ordentliche Packung ist „True North“ dennoch geworden. Trotz hier und da durchschimmernder Routine in Form von fehlender Vielfalt haben Bad Religion auch nach über 30 Jahren Bandgeschichte noch genügend Dampf, um einem Lied wie „Nothing To Dismay“ mit wütenden Shouts ordentlich Aggressivität zu verpassen. Nicht weniger angriffslustig kommt „Fuck You“ daher, in dem kernige Gitarren und ein vordergründiges Schlagzeug mit mehrstimmigen Oh-oh-Chören bereichert werden. In druckvollen 35 Minuten weiß die Band wenig zu überraschen, jedoch hinreichend zu unterhalten.

Text: Nadine Kleber

tip-Bewertung: Annehmbar

Bad Religion, True North (Epitaph / Indigo)

 

Arbouretum, Coming Out Of The FogSelige Schwere
Arbouretum treffen den Ton, den Rockfans mit der staubig-archaischen Seele Amerikas verknüpfen. Das fünfte Album der Band um Samtkehle Dave Heumann bewegt sich größtenteils in bandtypisch gewichtiger Gangart. Intakt ist der schlichte, schwere Sound, der schön nach analogem Studiogerät klingt; die Geistesverwandtschaft zu The Doors, Love oder Crazy Horse ist enger als zu coolen Zeitgenossen wie Queens Of The Stone Age. Wer die Band aus Baltimore schon länger auf dem Radar hat, vermisst indes etwas Abenteuerlaune. Frisch entdeckt aber liefern Arbouretum eine selige Dröhnung.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert

Arbouretum, Coming Out Of The Fog (Thrill Jockey, Rough Trade)

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