Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Andreas Dorau: TodesmelodienKleine Bosheiten
Offenkundige Simplizität, das gewisse Schlagerhafte und jungenhafte Art kollidieren bei Dorau seit jeher mit spitzen Bemerkungen und schlauen Soundmanövern. Das bekommt in dieser Kombination sonst keiner hin, deshalb ist er dreißig Jahre seit seinem NdW-Start immer noch dabei. Dieses Mal wagt er sich ins Morbide vor, referiert er bissig über Singles, Rentner, Größenwahn, Neid oder Richtungslosigkeit. Die Musik dagegen klingt feierlich, versprüht einen Hauch von Hawaii, reibt sich an den Rubettes oder tuckert ausgelassen und ist dabei nie blöd. Ein echter Volltreffer ist das mit Françoise Cactus eingespielte Duett über die deutschen Nationalfarben. „Schwarz Rot Gold, hat das die Natur wirklich so gewollt?“, fragen die beiden. Natürlich nicht.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Andreas Dorau, Todesmelodien (Staatsakt / Rough Trade)

 

Beyoncй: 4Soul mit Handbremse
Ist das Sylvie van der Vaart auf dem Cover? Nein, es ist tatsächlich Beyoncй. Sie hat sich äußerlich mal wieder leicht verändert. Auf die Musik trifft das leider weniger zu. Die Sängerin hatte ja angekündigt, etwas aufregend Anderes machen zu wollen, aber relativ schnell wird klar, dass sie doch die sichere Nummer bevorzugt. Das Album enthält ein ganzes Bündel Balladen, bei denen man an Whitney Houston in deren gesunden Jahren denken muss. Je länger das Album dauert, desto akzeptabler wird es. Mit Kanye West und Andrй 3000 kommt mehr Leben in die Angelegenheit. „Rather Die Young“ und „Love On Top“ sind richtig gut, weil die Texanerin unbekümmert den Soul der Siebziger und Achtziger hochleben lässt. Sonst aber fragt man sich: warum bloß so brav?

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Zwiespältig

Beyoncй, 4 (Columbia / Sony Music)

 

FM Belfast: Don't Want To SleepTanzpflicht vom Nordlicht
Hoppla, Isländer! Noch dazu welche, die auf die Tanzflächen der Indie-Diskos drängen. Auf „Don’t Want To Sleep“ spielen die Elektro-Popper geradezu sorglos auf. Verspielt bastelt das Quartett seine Frickeleien um den stampfenden Elektro-Beat. Das Keyboard erinnert stellenweise an den Sound von PC-Spielen aus den 80ern, Handclaps, Bläser und mehrstimmiger Gesang sorgen für frische Akzente. Insgesamt klingt alles rund um die griffigen Melodien ungemein harmonisch und dennoch so direkt und unbedarft, als hätten FM Belfast einfach mal gemacht, ohne groß nachzudenken. Doch egal ob Zufall oder doch verkopft: Mit „New Year“ liefern sie den Hit für die Tanzflächen dieses Sommers.

Text: Nadine Kleber

tip-Bewertung: Hörenswert

FM Belfast, Don’t Want To Sleep (Morr Music / Indigo)

Mehr über Cookies erfahren