Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Eels: Wonderful, GloriousEin bisschen Glück
Übermütiger Albumtitel, das. Jedenfalls für Mark Oliver Everetts gemeinhin schattiges Naturell. Aber wie schon zuletzt bei „Tomorrow Morning“, dem Schluss von E’s 2009/2010er Albumtrilogie, dünkt dem Eels-Mastermind sein Schicksal offenbar gerade erträglich: „I’m so happy, it’s not yesterday“ („New Alphabet“). Oft bollern zeigefreudige Drumwirbel, rumoren trockene Gitarrenriffs, rundherum knarzt und säuselt es, was die Schaltkreise hergeben. Dagegen kommt die gute alte Melancholie seltener vorbei („The Turnaround“). Das finale Titelstück verblüfft gar mit Disco-Allüren. Und einen Verzerrer hat E im neuen Studio auch aufgetan. Dass man vieles so ähnlich in schwankender Dosierung auf den bisherigen neun Eels-Studioalben schon gehört hat, macht „Wonderful, Glorious“ keineswegs zu einem schlechten Album. Nur eben zu keinem großen.

Text: Erik Heier

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

Eels, Wondeful, Glorious (Cooperative / Universal)

 

Tomahawk: OddfellowsSchön böse
Unter Mike Pattons vielen Projekten kommt Tomahawk seiner einstigen Band Faith No More am nächsten: Es ist das pop­freundlichste Spielfeld des Mannes, der zuletzt mit einem Neue-Klassik-Ensemble zusammenarbeitete. Tomahawk sind songbetont, doch gleichzeitig firm in Groove Metal und Hardcore verankert. Das gilt auch für das vierte Album seit 2001. Darauf zünden die schwarzhumorigen Kalifornier eine Nummernshow um geisterhaften Psychobilly, kaskadenhafte Jazz­orgel, hinterhältige Balladen („I Owe You A Lovesong“) oder athletisch knappe Rockbretter samt epischen Gesangsmelodien. Ein wenig verläuft sich der Biss zur Halbzeit; doch es bleibt immerhin eine Handvoll schön böser Miniaturen.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

Tomahawk, Oddfellows (Ipecac / Soulfood)

 

Selig: MagmaBewährt nölig
„Magma“ klingt wie die Platte einer Band, die völlig mit sich im Reinen ist. Die Stücke bewegen sich bewährt zwischen Pop und Rock und werden geleitet von der charakteristischen Stimme Jan Plewkas, der sich verlässlich nölig durch die poetischen und teils introspektiven Texte bewegt. „Bring mich heim“ driftet partiell ins psychedelisch Pluckernde ab, das Titelstück „Magma“ gibt sich zunächst zurückgelehnt loungig und „Alles auf einmal“ überrascht im Auftakt mit einer Kirchenorgel. So gelingt Selig einmal mehr der Spagat, auf eingängige Melodien zu setzen, ohne sich dabei der Einfachheit hinzugeben.

Text: Nadine Kleber

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

Selig, Magma (Vertigo Berlin / Universal)

Mehr über Cookies erfahren