Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Tricky: False IdolsRückkehr zu alter Klasse
Die Alben des finsteren Flüsterers aus Bristol zeugten lange von einer krampfhaften Suche nach neuer Bestimmung. Jetzt scheint sich Tricky mit der Zeit versöhnen zu wollen, als er eine Galionsfigur des TripHop war. In „Valentine“ hat man das Gefühl, er läge mit Massive Attack im „Karma-Koma“. Die Stimme von Fran Belmonte übernimmt die Rolle des weiblichen Pendants, die früher Martina Topley-Bird spielte. Gemeinsam insistieren sie: „We Don’t Die“. Das geht genauso unter die Haut wie das Wechselspiel von herben Gitarren und Pete Silbermans Falsett in „Parenthesis“. Man spürt aber auch oft genug eine Gelöstheit, die von innerem Frieden zeugt. „Is That Your Life“ ist fast schon funky und lädt ein, sich wieder intensiver mit diesem Rabauken zu beschäftigen.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Tricky, False Idols (K7 / Alive)

 

The National: Trouble Will Find MeSchöner leiden
Die Spielorte, an denen The National in diesem Jahr gastieren, zeigen an: Größer geht es nicht. Musikalisch aber verfährt das Quintett um Lakoniker Matt Berninger nicht nach dem schieren Wachstumsprinzip. Im Gegenteil überwiegen auf dem sechsten Album intimere Songs wie das nächtliche „Fireproof“, in dem Berninger zu huschenden Drum-Rhythmen bitter an der Liebe verzweifelt. Hymnischer geht es auch, wie auf dem bandtypischen, langsam anschwellenden „Don’t Swallow The Cap“. Doch auch in arenenreifen Momenten hüten sich die Brooklyner vor fetten oder vorhersehbaren Arrangements. Lieber schichten sie feine Einzelheiten: Soloklarinette, wenige Streicher, Mundharmonika oder eine weibliche zweite Stimme. Die Größe des Albums liegt im Detail.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

The National, Trouble Will Find Me (4AD / Beggars)

 

Agnetha Fältskog: AIn Watte gepackt
Irgendetwas haben Peter Nordahl und Jörgen Elofsson richtig gemacht. Nur sie haben es schließlich geschafft, Agnetha Fältskog für ihr erstes reguläres Album seit dem Ende von Abba ins Studio zu locken. Die Rückkehr einer der brillantesten Popstimmen des Planeten fällt gemischt aus: staunenswert einerseits, denn Fältskogs Stimme klingt so wie man sie kennt und über jede Alterserscheinung wundersam erhaben. Die Klanghülle aber klingt höchst beliebig: symphonisch aufbereiteter Synthpop, teils mit Elektrobeats aufgepeppt, manchmal auch pompös trabend und mit E-Gitarrensolo dekoriert („I Was a Flower“). Heimlich wünscht man sich, ein etwas originelleres Songschreiberduo hätte Fältskog zum Comeback überreden können. Dennoch ist es eine Freude, sie überhaupt singen zu hören.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Zwiespältig (3/6)

Agnetha Fältskog, A (Universal)

Mehr über Cookies erfahren