Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Jay-Z: Magna Carta Holy GrailGroßspurige Monotonie
In „Holy Grail“ singt Gast Justin Timberlake ausgerechnet wie Lou Gramm von Foreigner. Der eigentliche Hauptakteur liefert ein kurzes Referat über das Leben im Rampenlicht ab. Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ wird auch angesungen. Frank Ocean folgt später, aber die eigenen Songs von Frank Ocean sind besser. Jay-Z weiß mit Timbaland, Pharrell Williams, Swizz Beatz oder The-Dream bestens beleumundete Produzenten an seiner Seite, die keine Routine abliefern. Die Idee, für „Nickels And Dimes“ ein Sample von Gonjasufi zu nutzen, ist zum Beispiel richtig gut. Am Ende ist es aber doch wieder eines von diesen Jay-Z-Alben, die sich phasenweise ganz gut anlassen, als Gesamtpaket aber nicht überzeugen können. Der Mann ist als Rapper zu monoton und seine Geschichten vom Rap-Ruhm sind nicht neu.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Zwiespältig (3/6)

Jay-Z, Magna Carta Holy Grail (Roc-A-Fella / Universal)

 

Sam Lee: Gorund Of Its OwnEntrümpelte Vergangenheit
Geschichtsbesessener und radikaler Neuerer, Musikarchäologe und Künstler mit Weitblick  – Sam Lee sieht in den Zuschreibungen keinen Widerspruch. Der Londoner betrieb in den letzten Jahren auf ausgiebigen Reisen durchs Land Feldforschung, begegnete fahrendem Volk, einem Schäfer aus Sussex, einem Pferdehändler in Surrey und erlernte von ihnen steinalte, mündlich weitergereichte Volkslieder. Auf seinem wegweisenden Debütalbum hebt der Sänger die überlieferten Moritaten über einen bekümmerten Feldhasen („On Yonder Hill“), tödliche Küsse („The Ballad of George Collins“) und einen Gefangenen im Fieberwahn („Goodbye My Darling“) jetzt auf, im doppelten Wortsinne: Er bewahrt deren archaischen Charme und befreit sie zugleich in zeitgemäßen Umsetzungen vom Staub der Jahrhunderte. Die Quadratur des Kreises.

Text: Harald Kepler

tip-Bewertung: Hörenswert

Sam Lee, Ground Of Its Own (India Records / Rough Trade)

 

David Lynch: The Big DreamBlues in Trance
Dass David Lynch ein Musikmensch ist, bleibt keinem verborgen, der seine Filme sieht. Mit Stammmusikern wie Angelo Badalamenti oder Julee Cruise hat er selbst ein musikalisches Genre um trancehafte Slow-Motion-Tempi geprägt. Sein zweites Album wirkt wie die Audiovariante eines Films. Als Grundierung dienen der Blues um taumelnde Twang-Gitarren, reduzierte Beats und fette Bässe mit Dub-Reggae-Anklängen. Etwas schwach ist der stark verfremdete, nasale Gesang des Meisters. Lykke Lis Gesang dagegen erinnert an eine von Lynchs somnambulen Cabaret-Damen, die seine Filme bevölkern.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

David Lynch, The Big Dream (Sunday Best / Pias / Rough Trade)

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