Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Kacey Musgraves: Same Trailer Different ParkMy home, my castle
Teils bitter, teils witzig – hier spricht eine, die sich auskennt. „Ain’t what you want, it’s what you know“, singt Kacey Mus­graves über ihr Zuhause, den Trailer Park, und erzählt die Geschichten von sich und ihren Nachbarn. Die Casting-Show erprobte Texanerin erinnert an die frühe Sheryl Crow, ihr Country ist von Folk, Pop und Rock geprägt, das Songwriting steht unbedingt im Vordergrund, was mehr als erstaunt, denn mit ihrem vierten Album ist die 24-Jährige an die Spitze der US- Charts gekommen. In den zwölf Songs werden die Protagonisten nie vorgeführt, allenfalls lebensweise entlarvt: „Sticks and stones may build a throne, but you’ll be up there all alone.“ So ist sie Erbin einer Loretta Lynn, die als Coal Miner’s Daughter Sozialreportage und Rebellion gleichermaßen verkörperte. Hier schlägt das Herz des weißen Prekariats mit Leidenschaft und Smartness.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Kacey Musgraves, Same Trailer Different Park (Mercury)

 

Mutato: The Devil & The DiamondPanamerikanischer Stilmix
Matuto (Nordeste-Slangwort für „Bauernlümmel“) sind Kinder des globalen Dorfes, in dem dank Satellitenschüssel und Tiefseekabel Musik aus aller Herren Länder immer überall zugänglich ist. Wie ein großer Weltempfänger fischt die Brooklyn-Band aus den uns umgebenden Schallwellen das heraus, was sie besonders anmacht, und zurzeit scheinen das vor allem Klänge aus dem Nordosten Brasiliens sowie dem sumpfigen Süden der USA zu sein. Auf dem jüngsten Spaßbringeralbum vermengt das Sextett denn auch Maracatu und Swampblues, Afoxк-Karnevalsrhythmik und Heuschober-Bluegrass, Forrу am Akkordeon und Cajun an der Fiddle zu unentzweibaren Zwillingsformen. Mit einer diebischen Freude an der Sound-Scharade lockt man den Hörer in einer Tour auf die falsche Fährte, und der lässt sich das gern gefallen!

Text: Harald Kepler

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Matuto, The Devil & The Diamond (Motйma / Sony)

 

Julia Holter: Loud City SlangSphärischer Pop
Die kalifornische Künstlerin hat bisher Anknüpfungspunkte zur altgriechischen Mythologie gesucht. Jetzt setzt sie sich zum ersten Mal mit der Gegenwart auseinander, genauer gesagt mit dem Sound ihrer Heimatstadt Los Angeles. Durch dieses Oberthema ist ihre Musik vielschichtiger geworden. Zuerst tastet sich Holter zart im Stile einer Broadway-Ballade heran. In „Horns Surrounding Me“ empfindet sie die Verfolgung Prominenter durch Paparazzi nach, und das mit mehr Rhythmus und festerer Stimme. Das ist ebenso eine Überraschung wie der deutliche Pop-Drall, der in ihrer Version des R&B-Oldies „Hello Stranger“ und in „This Is A True Heart“ zum Ausdruck kommt. Holter hört sich jetzt wie ein Mädchen an, das aufgewacht ist und die Welt in all ihren Facetten kennenlernen will. Man sollte sie unbedingt dabei begleiten.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Julia Holter, Loud City Slang (Domino / Good To Do)

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