Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Nine Inch Nails: Hesitation MarksAbgespeckt
Fünf Jahre nach dem ambientartigen Album „The Slip“ hat Trent Reznor den Nachfolger im Wesentlichen zu Hause auf dem Laptop kreiert. Um Rockband-Zutaten macht er einen Bogen, E-Gitarren etwa kommen kaum zum Einsatz und wenn, dann nur bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Es dominieren programmierte Beats und obskure Synthie-Sounds, die mal von 80er-Wave а la New Order inspiriert sind („Copy Of A“), mal von Minimal Techno („Disappointed“) oder alternativem HipHop. Die Reduktion verleiht dem Album einen erfreulich intimen Ton.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Nine Inch Nails, Hesitation Marks (Polydor/Universal)

 

Arctic MonkeysWieder etwas reifer
Es hat sich etwas verändert. Die Band aus Sheffield hat beschlossen, dass ihre Musik mehr Rhythmus haben muss. Rhythmus, der in Clubs zu Hause ist. In „Do I Wanna Know?“ fällt zuerst ein Hardrock-Riff auf, aber Drummer Matt Helders hält fortwährend mit einem HipHop-Beat dagegen. Ganz großartig ist der hoppelnde Syndrum-Sound in „Fireside“, der Pat Benatar aus ihrem „Love Is a Battlefield“ bekannt vorkommen wird. In „No. 1 Party Anthem“ und „Mad Sounds“ passiert nicht, was die Titel vermuten lassen. Einmal fährt Sänger Alex Turner seine Flügel schwelgerisch wie Morrissey aus, dann ist ihm plötzlich kuschelig zumute. Arctic Monkeys trauen sich das alles zu, werden dabei aber nie plump oder platt. Diese Entwicklung markiert einen bemerkenswerten Reifeschritt.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Arctic Monkeys, AM (Domino/Good To Go)

 

Thees Uhlmann, #2Gute Zeiten, schlechte Zeiten
Über Thees Uhlmann kann man sich vieles erzählen. Dass er nicht gut singen kann. Dass es nervt, wenn er ständig auf sympathisch macht. Belegt ist: Er funktioniert als Bühnenmensch. Aber reicht das? Als Künstler muss er sich an Tomte messen lassen, seiner immer noch nicht offiziell aufgelösten Ex-Band. So überzeugt er auf seinem zweiten Soloalbum nur bedingt, verliert sich bisweilen in Pathos, Posen und Poesie, will mit großen Metaphern die Welt erklären – und hat sich dafür an mancher Stelle beim Songwriting verschrieben. Das verzeiht man ihm irgendwie gerne. Wahrscheinlich, weil er so sympathisch ist.

Text: Jan Schimmang

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

Thees Uhlmann, #2 (Grand Hotel Van Cleef)

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