Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Thomas D: Aufstieg und Fall des Tommy BlankZorn des Propheten
Thomas D hat etwas Seltenes im HipHop-Segment ausgetüftelt: ein Konzeptalbum. Sein Songzyklus dreht sich um eine Art Pop-Heiland, der es trotz allen Medien-Irrsinns schafft, seinen Idealen treu zu bleiben. Rio Reiser oder auch Kurt Cobain grüßen schmerzlich von fern, der ehemalige Frisör aus der Daimler-City Stuttgart wird zudem selbst gut wissen, wovon er da rappt. Im Gesamten klingt das Ergebnis etwas überfrachtet, was auch an der Vielzahl der starken Gast-Charaktere liegt, darunter Grönemeyer, Cäthe und Moses Pelham. Einzelne Tracks wie „Sirenen“ aber schäumen schier über vor prophetischem Zorn. Altersmilde klingt anders.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

Thomas D, Aufstieg und Fall des Tommy Blank (Columbia/Sony)

 

Foetus: SoakSinfonischer Donnerhall
Freunden des frühen Foetus-Meisterwerks „Nail“ muss man nicht erklären, dass Jim Thirlwell in seinen Kompositionen gerne zum Mittel der sinfonischen Überzeichnung greift. Im erstaunlichen Opener „Red And Black And Gray And White“ kommen zusätzlich Big-Band-Bläser zum Einsatz. Operngesang sorgt an verschiedenen Stellen für markerschütternde Eruptionen. Thirlwells Sound, den er mit den Worten „bombastischer Maximalismus“ bezeichnet, macht sich auch in Coverversionen gut. The Normals „Warm Leatherette“ nimmt völlig neue Gestalt an und Nino Ferrers gemütlicher Bossa-Chanson „La Rua Madureira“ steht hier unter finsterer Spannung. Mit dem Beatles-Touch in „Kamikaze“ bestätigt sich, dass Thirlwell mit diesem Album keineswegs als exzentrische Randgestalt, sondern als Künstler mit breitem Appeal wahrgenommen werden will.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Foetus, Soak (Ectopic Ents/www.foetus.org)

 

Justine Electra: Green DiscoPopskizzenbuch
Mit ihrem Debütalbum überraschte Justine Electra 2006 mit einem glitzernden Stück Pop zur richtigen Zeit am richtigen Ort: „Soft Rock“ erinnerte an das Zarte einer Feist und den Do-it-yourself-Charme von Berlins Laptop-basierten Wohnzimmer-Konzerten. Auf dem Nachfolgewerk, sieben Jahre später, ist die Urheberin leicht zu erkennen – schon nach wenigen verstolperten Beats oder Schrammelakkorden. Versponnen, brüchig und tief persönlich wirken Lo-Fi-Songs wie „Like A Magnet“. Nicht wenig davon aber ähnelt einem rohen Entwurf, teils bleiben Stücke im Vagen. Das große, wundersame Pop-Album ist immer zu erahnen, doch Electra belässt es für diesmal bei der Andeutung.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

Justine Electra, Green Disco (Neun Volt Records)

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