Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

The Notwist: Close To The GlassWechselwetter
Mit fast jedem Album haben sich The Notwist ein Stück weit weg von bereits Erkundetem bewegt. Das Prinzip des Wandels prägt nun auch die Songdramaturgie des neuen Albums der Weilheimer Feingeister. Den Start markieren zwei der technoidesten Tracks, die man von The Notwist kennt, darunter der Titelsong mit seinem deformierten Elektro-Noise-Groove, der an die angeschossene Ästhetik von Atoms For Peace erinnert. Andere Songs verbreiten schrammelige Collegerock-Harmonie und eine Prise 90er-Nostalgie, in Lo-Fi-Leisetretern wie „Casino“ erfüllt Micha Achers fragiler Gesang fast allein den intimen Raum. Weniger geschlossen als gewohnt wirkt das siebte Notwist-Album wie ein Übergangswerk: mit interessanten Impulsen, aber einer gewissen Flüchtigkeit.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

The Notwist, Close To The Glass (City Slang)

 

We Invented Paris: Rocket Spaceship ThingEindimensional
Alles weg: Der warme DIY-Spirit, der frickelige Ansatz, der vielseitige Stimmungs- und Genremix. Während ihr heterogenes Debüt dem Künstlerkollektiv mit wechselnder Besetzung noch glänzend entsprach, schlägt die Band nun den umgekehrten Weg ein: ein Stil, eine Farbe, eine Stimme. Platte Nummer zwei unterscheidet sich keinen Deut von sterilem Radio-Pop а la Sunrise Avenue. Selbst die Texte sind genauso pseudohaft („It’s time to move on, it’s time to climb the mountain“).

Text: Henrike Möller

tip-Bewertung: Uninteressant (2/6)

We Invented Paris, Rocket Spaceship Thing (Spectacular/Cargo)

 

Abgewl Olsen: Burn Your Fire For No WitnessSprunghafte Songschreiberin
Mit „Unfucktheworld“ knüpft sie an den Folk-Vibe auf dem Vorgängeralbum an. Zum Ausgleich geht es in „Forgiven/Forgotten“ richtig lebhaft zu. Angel Olsen ist sprunghafter geworden. Oft rückt sie nah an Größen der Rockgeschichte heran. „White Fire“ steht voll unter dem Einfluss von Leonard Cohen. In „High & Wild“ hat Olsen einen ihrer engagiertesten Auftritte, hier singt sie wie Grace Slick. Entscheidend ist, dass diese von Will Oldham geförderte Frau immer mit viel Herz bei der Sache ist.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Angel Olsen, Burn Your Fire For No Witness (Jagjaguwar/Cargo)

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