Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Kelis: FoodR’n’B alter Schule
Vor 15 Jahren wäre sie nie und nimmer auf die Idee gekommen, den Song „Bless the Telephone“ zu veröffentlichen. Damals läutete sie den R’n’B des 21. Jahrhunderts mit größtmöglicher Bissigkeit ein. Jetzt singt sie dieses nette akustische Liedchen, in dem fernmündliche Gespräche als große Errungenschaft gepreist werden. Kelis wollte raus dem Trott, sich nicht mit immer denselben Kollegen aus der Black Music verabreden und lieber eine Zusammenarbeit mit Dave Sitek von TV on the Radio wagen. Geeinigt hat man sich auf einen Stil, der sich am Funk und Soul aus den Siebzigern orientiert. In „Friday Fish Fry“ landet man mit Blues-Gitarre und kratziger Stimme in Zeiten, als Tina Turner es noch mit Ike aushielt. Kelis zieht das voll durch, aber es fehlen reißerische Momente, die sie früher zu einer Anführerin gemacht haben.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

Kelis, Food (Ninja Tune/Rough Trade)

 

Bela B.: ByeGoes Country
Cowpunkzeiten sind lange vorbei, und so ist das dritte Soloalbum des Ärzte-Schlagzeugers eher ein Hybrid. Gleich der Opener „Abserviert“ ist eher Northern Soul, auch wenn das Video im Kuhstall spielt. Von finsterem Blues-Rock über Rockabilly und Americana hin zu symphonischem Pop – ein Genrealbum ist „Bye“ schon mal nicht. Gedankt ist das u.?a. der Nürnberger Band Smokestack Lightnin’ und Sängerin Petra Devlin. Deutlich erkennbar ist der Zwang zum Witz, zur Ironie, auch wenn gelegentlich Ehrlichkeit aufblitzt: In „Bombe tickt“ lugt der Revoluzzer durch, „Wenn das mal Liebe wird“ zeugt von Kenntnis komplizierter Beziehungsarbeit, und am Ende ist es sowieso die Liebe, für die er stirbt. Lustig die musikalischen Verweise von Arthur Brown bis Yello. Geschenkt, dass Bela nicht der größte Sänger ist, wiegen die Spielereien gelebter Popkultur doch einiges auf.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

Bela B. & Smokestack Lightnin‘, Bye (Rough Trades)

 

Morten Harket: BrotherA-ha-Goldkehle
Das sechste Soloalbum von Harket entstand unmittelbar nach der Abschiedstour seiner Stammband. Mit kleiner Produktion im Sommerhaus des Norwegers entstanden, klingt das Ergebnis ungefähr wie die Wohnzimmer-Variante von A-ha. Akustische, auch mal Slide-Gitarren prägen den Ton, dazu zweistimmige Gesänge und warmes Piano anstelle des Synthpop-Breitwandklangs. Diese angenehme Schlichtheit zeichnet auch eine Reihe der – natürlich gewohnt romantisch-melancholischen – Melodien aus. Eine Ergänzung des erweiterten A-ha-Songbooks.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

Morten Harket, Brother (Sony)

Mehr über Cookies erfahren