Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Daniel Dorsch: Tokyo DiaryFrösteliges Metropolis
Mit Trontheim untermalte der Elektro- und Theatermusiker Daniel Dorsch schon den Filmklassiker „Berlin – Symphonie der Großstadt“. Nun folgt ein musikalischer Exkurs nach Tokyo. Seine Eindrücke hat der Berliner in Ambiente-Stücke übersetzt. Sie klingen getragen, teils unheimlich wie im TripHop-haften Track „Leere Lounge“, der an Entfremdungskino а la „Lost in Translation“ denken lässt. Asiatische Harfentöne addieren folkloristische Momente, woanders erinnern Breakbeats an Prodigy im Manga-Modus: Assoziationen im kühlen Audio-Bilderbogen, die übrigens leichter ins Rollen kommen, wenn man die Reisenotizen im Beiheft liest.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

Daniel Dorsch, Tokyo Diary (Fortschritt Musik)

 

Leeroy StaggerAmericana aus Kanada
Nachdem Leeroy Stagger vor zwei Jahren mit Tim Easton und Evan Phillips ein feines, vorwiegend akustisches Folk-Album veröffentlicht hat, schlägt er auf seiner sechsten Platte mit seinen „Wildflowers“ (nein, nicht denen von Jakob Dylan) wieder kräftigere Country-Töne an. Wie die Noten einer Pedal Steel zieht der Singer/Songwriter die Wörter seiner gesungenen Storys auf sein eigenes Americana-Format, in dem sich eine hörbare Vorliebe für Gram Parsons, Flying Burrito Brothers, Steve Earle, die akustische Seite von Led Zeppelin und ja, auch den britischen Popappeal von Oasis erkennen lassen. Sound-Schwirren а la Daniels Lanois, Blues mit Akustikgitarre in offener Stimmung, Soul in Sechsachteln mit Bläsern, Country-Balladen und rohe Rocker. Abwechslungsreich und gelungen.

Text: H.P. Daniels

tip-Bewertung: Hörenswert

Leeroy Stagger & The Wildflowers, Little Victories (Blue Rose)

 

Tu Fawning: Hearts On HoldAvantgarde-Pop
Interesse an einer Band, die Lust auf das neue Musikjahr macht? Bitte sehr: Bei Tu Fawning geben Orgeln und Piano, Blasinstrumente, Samples und ganz viel Schlagwerk den Ton an. Die Gitarre wird lediglich benutzt, um Räume zu füllen. Was die beiden Hauptmitglieder Corrina Repp und Joe Haege (31 Knots) daraus machen, lässt sich am besten mit dem Song „Sad Story“ beschreiben, wo sich Theatermusik-Anleihen mit Elementen aus Folk, Blues und osteuropäischer Blasmusik vermischen. Die Musiker aus Portland picken sich viel von dem heraus, was im Indie-Rock sonst kaum bis gar nicht vorkommt. Sie verharren auch mal bei Kirchenmusik, Galeerengesängen oder Uralt-Jazz und machen eine runde Sache daraus.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Tu Fawning, Hearts On Hold (City Slang/Universal)

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