Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

dEUS - Keep You CloseLeichtes Spiel
In bald 20 Jahren haben dEUS viele Musiker verschlissen. Doch allein Tom Barmans übernächtigte Kehle macht die Band unverwechselbar. Auf ihrem sechsten Album zeigen sich die Antwerpener nun von der anschmiegsamen Seite. Ein lockerer Atem prägt die Platte, die mit gitarrensatten Rocksongs einsteigt, um bald in versonnene Gefilde abzubiegen. Mitunter gibt Barman den Film-Noir-Erzähler. Spürbar von Improvisation geleitet streift die Band durch den Neunzigerrock alter Schule oder blaudunstigen Barjazz. Eine lässige Sache.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

dEUS, Keep You Close (Pias)

 

Wilco - The Whole LoveHörgenuss
Auf ihrem dritten Album der aktuellen Besetzung machen sie alles richtig: ein schwindelerregender, krautrockender Siebenminüter, ein ruppig rockender Farfisa-Song, eine Dreampop-Sonnenanbetung und das grandios inszenierte Rockstardrama: „Born Alone“. Vertraute Soundfetzen aller Orten, Bowie, Beatles, Brian Eno, fein gestreute Country-Bummel – zusammengesetzt zu einem gefühlvollen post everything-Album. „I can only dream the dreams we had“, singt Jeff Tweedy mit freundlicher Traurigkeit, wohlreflektiert, Ausbrüche und Zumutungen hinter sich lassend. Vor allem Pat Sansone an den Tasten gelingt es, die mannigfaltigen Elemente in einen Guss zu bringen, Avantgardegitarrist Nels Cline in der Spur zu halten, ein komplexes, leichtfüßiges, homogenes, Melodien und Ideen überschwängliches Album zu schaffen.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

Wilco, The Whole Love (dbPM/Epitaph)

 

DJ Shadow - The Less You Know The BetterEin Mann will alles
Der Albumtitel führt in die Irre. Eigentlich müsste es heißen: Je mehr man weiß, desto besser. Shadow, früher für kohärenten cineastischen Flow bekannt, ist zu einem Mann für alle Fälle mutiert. Erst lässt er Metal-Gitarren brettern, dann folgen Hip-Hop, Jazz Funk, eine zarte Piano-Ballade nach Art der Carpenters, mit „Warning Call“ ein richtiger Indie-Rocker, etwas Soul-Pop und zum Schluss auch mal düsterer Drum’n’Bass. Wenn all das aufeinanderprallt, hört es sich schon mal abgehackt an. Aber die Lust, diesem Mann auf seinem Trip zu folgen, erlahmt nicht.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Annehmbar

DJ Shadow, The Less You Know The Better (Island/Universal)

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