Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Coldplay Dies und das
Im Lauf von fünf Alben haben Coldplay kaum Angriffsfläche geboten. Streiten ließe sich nur darüber, ob der intime Ton der ersten Alben oder die weltumarmende Grandiosität des letzten Albums „Viva la vida“ ihre Stärke markiert. Auf dem fünften Album mögen sich die Briten selbst nicht festlegen – und mixen beide Launen. „Hurts Like Heaven“ mit seinem elektrifizierten, schnellen Beat und fliegendem Chorus zielt gekonnt in Richtung Tanzfläche. Das Gegenteil verkörpert etwa die skizzenhafte Akustikballade „U.F.O.“. Ein dramaturgischer Bogen kommt kaum zustande. Und so ist „Mylo Xyloto“ zwar ein hübsches Album, aber kein großes.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Zwiespältig

Coldplay, Mylo Xyloto (Parlophone/EMI)

 

Niels Frevert: Zettel auf dem BodenNur die Ruhe
Nur vier Soloalben in 14 Jahren. Da verpisst sich jeder Consultant-Schnösel desillusioniert. Hoffnungsloser Fall, dieser Herr Frevert. Diesmal gingen drei Jahre bis zum neuen Album ins Land. Dabei hat er die Arrangements der letzten, tollen Platte „Du kannst mich an der Ecke rauslassen“ einfach beibehalten. Meist Akustikgitarre, Klavier, Bass, Streicher. Alles zu Ende gedacht. Die Melodien waren beim Vorgänger einen Tick zwingender. Stört aber nicht, wenn man Freverts charismatischem Bariton mit offenem Herzen folgt. Zum alten Mann, der Eichhörnchen füttert. Zur weinenden Therapeutin. Zu Klingelstreichen von Toten. Texte, für die man Ruhe braucht. Beim Schreiben. Beim Hören erst recht. Aber die gute alte Stromgitarre von früher (Nationalgalerie!), die könnte ihm mal jemand wiedergeben, irgendwann.

Text: Erik Heier

tip-Bewertung: Hörenswert

Niels Frevert, Zettel auf dem Boden (Tapete/Indigo)

 

Nina Hagen: VolksBeatPhilosophiestunde
Siebziger-beeinflusst sei ihr erstes Rockalbum seit Jahren, sagt Nina Hagen. Darauf adaptiert die Berlinerin neben eigenen Stücken persönliche Helden und Gottessucher. Songs von Dylan, Larry Norman oder Solomon Burke überträgt sie ins Hagen-Deutsche und ihren Cabaret-Punk-Stil. Auch „Ermutigung“ ist dabei von Stiefvater Wolf Biermann als eindringliches, leises Akustikstück. Das wild-bunte Ergebnis ist eine der schönsten deutschen Platten dieses Jahres, allein durch den altbekannten Schalk, der durch viele Reime blitzt, oder auch die Übersetzung von Dylans „One More Cup Of Coffee“ in „Noch ein Tässchen Kaffee“.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert

Nina Hagen, VolksBeat (Polydor München/Universal)

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