Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Mary J. Blige: My Life II... The Journey Continues (Act 1)Undurchsichtige Soul-Reise
Nichts gegen einzelne hier genannte Personen, aber seit wann hat eine Sängerin dieses Formats ein solches Staraufgebot nötig? In früheren Soul-Epochen gab es das nicht und auch heute kann man auf die Mitarbeit von Nas, Busta, Drake und Lil Wayne verzichten. So richtig scheint die eigentlich ja erfahrene Sängerin nicht zu wissen, wo es für sie hingeht. Mal covert sie Rufus & Chakas „Ain’t Nobody“ aus den frühen Achtzigern und lässt sie ein Sample aus der Philly-Ära einbauen, dann fordert sie wieder energisch den Sprung aufs „Next Level“ und behauptet sich gegen Electro-Zirpen im Hintergrund. Es fehlt die Linie. Vielleicht sucht sie sich mal ­einen Ideengeber, der im Studio konsequent ist und ihr bei der nunmehr doch notwendigen Neuerfindung hilft.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Zwiespältig

Mary J. Blige, My Life II… The Journey Continues (Act 1) (Geffen/Universal)

 

The Roots: undunGroßstadt-Existentialisten
Ein beunruhigender Piepton leitet das neue Roots-Album ein – als laufe eine Herztonkurve flach aus. Danach öffnet die Band aus Philadelphia ein Konzeptwerk um einen Antihelden, mit dem es – siehe Beginn – kein gutes Ende nimmt. Ihren Kunstanspruch, samt Finale in vier „Sätzen“ und Auftritt von Feingeist Sufjan Stevens, unterlegen sie mit reichem Gehalt. Mühelos fließt ihr brütender Mix aus Hip Hop und Soul zusammen; die Klänge, ob programmiert oder auf der Saite gestrichen, fügen sich zum spannenden Hintergrund für die Weisheiten des MC: Bei The Roots ist es gleich eine ganze Bruderschaft, die das Mikro weiterreicht.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert

The Roots, undun (Island/Def Jam/Universal)

 

KornTrendscouts
Dubstep mit seinen zersetzt taumelnden Bassbeats hat dem Musikjahr seinen Stempel aufgedrückt. Korn haben extrem schnell darauf reagiert. Auf ihrer zehnten Platte jagen Produzenten wie Skrillex oder Kill The Noise den gewohnt schwer schlurfenden Psycho-Metal der Kalifornier durch ihre Laptops, pumpen Adrenalin und Störmomente ein. Das funktioniert nicht schlecht, wo Korns Musik per se tief im Groove wurzelt, stets offen für Skurriles aus dem Sequenzer. Bei Tracks wie der recht tumben Single „Get Up!“ aber spürt man, dass Korn selbst keine originären Impulse setzen können. Verständlich, 17?Jahre nach ihrem stilprägenden Debüt.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Zwiespältig

Korn, The Path Of Totality (Roadrunner Records)

Mehr über Cookies erfahren