Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

The Unthanks: Diversions Vol. 1Hommage
Bislang galt die englische Folkband um die Schwestern Rachel und Becky Unthank als besonders eloquent, wenn es um die Wiedergabe und Fortführung der ehrwürdigen britischen Liedtradition ging. Auf viel gelobten Platten beschworen sie den spröden Geist alter Wiegenlieder und Seefahrersongs. Für das neue Projekt, mehr Live- denn Studioalbum, mieteten sie sich zwei Tage lang in der Londoner Union Chapel ein, versammelten ein Dutzend Musiker um sich und huldigten den Songs von Antony Hegarty und von Robert Wyatt, dem im Rollstuhl sitzenden Alt-Revolutionär, Kunstliedgenie und ehemaligen Soft Machine-Schlagzeuger. Das Ergebnis ist ebenso intim wie orchestral, warmherzig und bittersüß. Ein „Triumph“, jubelte der „Guardian“, dem kann man sich anschließen, die perfekte Musik für den Winter.

Text: Jacek Slaski

tip-Bewertung: Hörenswert

The Unthanks, Diversions Vol. 1 (Rough Trade/Rabble Rouser)

 

Trent Reznor & Atticus Ross: The Girl With The Dragon TattooFincher-Soundtrack
Fürs Verständnis dieses Albums ist die Kenntnis der Romane des Schweden Stieg Larsson unbedingt hilfreich. Sein Buch „Verblendung“ ist Grundlage für eine neue Hollywood-Verfilmung, zu der es natürlich auch Musik gibt. Wie schon bei „The Social Network“ vertraute Regisseur David Fincher auf die Zuarbeit von Reznor und Ross, die es mit einer Version von Led Zeppelins grandiosem „Immigrant Song“ und Sängerin Karen O unerwartet stürmisch angehen lassen. Darauf folgen nur noch Ambient-Kulissen, die atmosphärisch gesehen nicht so weit von den spartanischen Tracks Nine Inch Nails entfernt liegen. Das Problem ist die Länge. Der Soundtrack dauert fast drei Stunden und enthält fast vierzig Tracks, von denen der nicht im Kino sitzende Hörer nur in wenigen Fällen etwas hat.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Uninteressant

Trent Reznor & Atticus Ross, The Girl With The Dragon Tattoo (Mute/Good To Go)

 

The Big Pink: Future ThisSelbstbewusster Nachfolger
Dieses Duo hatte gleich mit seinem 2009 veröffentlichten Debüt „A Brief History of Love“ für Aufsehen gesorgt. Damals schon brachte es britische Pop-Sensibilität und Noise-Rock-Kulissen spannend auf einen Nenner. Für den Nachfolger haben sich The Big Pink prominente Unterstützer gesichert. Produziert hat Paul Epworth (Bloc Party), abgemischt Alan Moulder. Der saß früher schon einmal bei My Bloody Valentine hinter den Reglern, was man als Hinweis verstehen darf. Durch „Hit The Ground (Superman)“ ziehen sich der Wall of Sound von „Loveless“ und ein Gesang, der an Perry Farrell erinnert. Der ganz große Bombast-Rock-Rundumschlag bleibt zum Glück aus. Das melodische Feingefühl ist den Londonern nach wie vor wichtig und wird auch durch mehr elektronische Elemente und HipHop-Beats nicht verdrängt.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

The Big Pink, Future This (4 AD/Indigo)

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