Konzerte & Party

Platten auf dem Prüfstand

Бrstнрir, Svefns og vöku skilTraditionspflege auf Isländisch
Björk, Sigur Rуs, Mъm, Helgi Jonsson – sie alle repräsentieren eher das moderne, auf die Zukunft ausgerichtete Island. Mit Бrstнрir lernen wir jetzt auch die fest in der Tradition verankerte Musikszene kennen, das Sextett aus Reykjavнk steht mit seinem akustischen Kammerfolk eindeutig für das archaische Island der Gletscher und Geysire, der Elfen, Nymphen und Trolle. Keine Ahnung, ob die Liedtexte in der Landessprache wirklich davon handeln, sobald aber die sympathischen Nordländer ihre herrlichen Harmoniegesänge über Streicherteppichen, Resonator- und Baritongitarren anstimmen, denkt man jedenfalls unweigerlich an die Sagen und Mythen, für die die Vulkaninsel im Nordatlantik gerühmt wird.

Text: Harald Kepler

tip-Bewertung: Hörenswert

Бrstнрir, Svefns og vöku skil (Beste! Unterhaltung)

 

Scuba, PersonalityWeg vom Dubstep-Purismus
Der in Berlin lebende und im Berghain gut bekannte Paul Rose hat die Dinge in der Vergangenheit immer fein separiert. Wenn ihm nach House oder Techno war, griff er zum Namen SCB. Wenn es in Richtung Dubstep ging, lief es unter Scuba. Jetzt hat sich der Brite bemüht, beide Aspekte seines Schaffens unter einen Hut zu bringen. Rose arbeitet mit analogen Synthesizern und Steinzeit-Drumbeats, sphärischen Flächen, eingängigen Sequenzen und sogar Vocal-Effekten, die an House-Klassiker erinnern. Für diesen Schwenk kann man ihn nur loben. Endlich ist da einer, der das Minimale und Düstere verdrängt und in seinen Tracks lieber Wärme, Optimismus und Feierlaune zum Ausdruck bringt. Streng genommen hat es so etwas seit den Neunzigern nicht mehr in der elektronischen Musik gegeben.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Scuba, Personality (Hotfish / Alive)

 

Justin Townes Earle, Nothing's Gonna Change The Way You Feel About Me NowSouthern Soul
„Hear my father on the radio …“ So beginnt das vierte Album des Sohns von Steve Earle, und man kann verstehen, dass er immer auf der Suche nach seiner eigenen Identität ist. Eine Suche, die auch hier weitergeht. Aber so soulig, so tief eingebettet in den Geist von Memphis war er, der mal mit hartem Rock und ursprünglichem Bluegrass anfing, bisher noch nie. „Look The Other Way“ klingt wie eine waschechte Arthur-Alexander-Aufnahme, simpel, beseelt, groß. „Down On The Lower East Side“ könnte auch von Van Morrison stammen, so mitternächtlich groovt die Band, und eine gestopfte Trompete liegt über dem ruhigen Rhythmus. Aufgenommen in nur vier Tagen mit seiner vertrauten, Bläser- und Orgel-bestückten Band, dient hier alles den eher kurzen, ökonomischen, dennoch stimmungsvollen Songs und nicht der Perfektion.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

Justin Townes Earle, Nothing’s Gonna Change The Way You Feel About Me Now (Bloodshot)

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