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Plattenkritik: Robbie Williams Album „Reality Killed The Video Star“

robbie williamsSony hat noch einmal Glück gehabt. Mit dem Tod Michael Jacksons setzte ein schwunghafter Nachlasshandel ein, der nun sogar die Filmbranche befeuert. Ein anderer Global Player, die EMI, knüpft alle Erwartungen an den Erfolg des neuen Albums von Robbie Williams – sein Comeback nach drei Jahren Frustbewältigung, die dem gefloppten „Rudebox“ und einem erschöpfenden Popstar-Dasein folgte. Und man merkt den Druck, der hierbei auf Produzenten, Werbern, Verkäufern und leider auch auf dem Künstler liegt, jeder Minute von „Reality Killed The Video Star“ (EMI) an.

Das Album wirkt nicht etwa wie ein Lebenszeichen nach einem künstlerischen oder auch menschlichen Reifeprozess, es ist ein einziges Sammelsurium an Versatzstücken, die Produzent Trevor Horn (Buggles, ABC, Frankie goes to Hollywood) und Marketingmenschen als Kauf­anreize vermuten: „Morning Sun“ ist für jene, die sich 40 Jahre nach „Abbey Road“ noch über Beatles-Zitate (die Streicher, die Drums, die Melodie) freuen können, „Deceptacon“ wird künftig in Wellnessoasen laufen, wenn die alten 10cc-Scheiben gerade mal nicht zur Hand sind, bei „Starstruck“ klagen womöglich Prefab Sprout, weil hier ihr Seicht-goes-Indie-Patent verletzt wird. Die Pet Shop Boys sind Freunde von Robbie, deshalb nehmen sie sein Plagiat „Difficult For Weirdos“ sicher nicht krumm, zumal diese Elektronummer mit dem dezenten Autotuning-Effekt im Umfeld von reichlich Musicalhaftem und nur ganz wenig rotzfrechem Robbie (beim Refrain der Single „Bodies„) immerhin eine der wenigen gelungenen Nummern darstellt.

Eigentlich setzt sich hier kon­sequent jene Orientierungs­losigkeit fort, deretwegen schon „Rudebox“ kaum jemandem rich­tig gefallen konnte. Robbie Williams ist eine durchaus strahlende Leinwand, auf der aber leider ein schlechter Film abgespielt wird.

Text: Hagen Liebing

 

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