Konzerte & Party

Platz an der Sonnenseite: Vetiver im Magnet

Vetiver in Konzert in BerlinBald wird es wieder darum gehen, prägende Gestalten des abgelaufenen Pop-Jahrzehnts zu benennen. Man muss keinem Rat der Weisen angehören, um zu erahnen, dass Andy Cabic da nicht auf den ganz vorderen Plätzen landen wird.
Ein Mann mit Einfluss ist er aber schon. Was er mit seiner Band Vetiver auf die Beine gestellt hat, ist aller Ehren wert. Das gilt besonders für das jüngste Album „Tight Knit„, mit dem Anführer und Band einen spannenden Entwicklungsprozess eingeläutet haben. Stellenweise hat Cabic noch immer die entrückte Art an sich, die ihn vor fünf Jahren zu einer Hauptfigur des beschaulich-benebelten Freak-Folk gemacht hat. Mehr und mehr macht sich jetzt aber eine Tagsonnenbeschwingtheit bemerkbar, durch die selbst traurige Lieder über das Verlassen plötzlich heiter erscheinen. Im Song „Another Reason To Go“ stapfen Vetiver nicht etwa durch den Sumpf der Verzagtheit. Anleihen bei Soul und Funk sorgen für eine Stimmung der trotzigen Leichtigkeit, die Paul Simon in seiner guten Phase Mitte der Siebziger so schön evozieren konnte.
Cabic stammt ursprünglich aus Virginia, lebt aber seit über zehn Jahren auf der Sonnenseite in San Francisco, wo sich Musiker schon mal ohne Hintergedanken treffen und wie in einer großen Kommune Sessions veranstalten. Seine bekannteste Bezugsperson ist Devendra Banhart, den er anfänglich live und im Studio bei jeder Gelegenheit unterstützte, wofür sich Banhart mit Beiträgen zu den ers­ten Vetiver-Alben revanchierte. Zugleich kümmerte sich Cabic als Bassist der Dance-Rock-Band Tussle auch mal um den Groove. Dieser Mann ist also alles andere als eindimensional oder festgelegt. Wenn er so weitermacht, kennt und schätzt ihn 2020 jeder.

Text: Thomas Weiland

Vetiver + Beach House, Magnet, So 16.8., 20 Uhr, VVK: 12,80 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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