Kommentar

„Playback“ von Stefan Hochgesand

Also bitte! Was die New Yorker können, haben wir schon lange drauf. First we take Manhattan, then we take Berlin?

Stefan Hochgesand

Oder umgekehrt. Ich rede von den Playbackern. Da hat Mariah Carey nach ihrem Silvester-Auftritt am Times Square allerhand Häme abbekommen, weil ihre Songs offensichtlich halb aus der Playback-Konserve kamen und sie den Vokal-Einsatz nicht hinbekam. (Sie sagt: Weil ihre Ohrhörer nicht funktionierte – ohne die ein synchroner Einsatz tatsächlich kaum möglich ist.)
Worauf ich hinauswill: Wir hatten 2016 auch auf Berliner Bühnen ein paar passable Playback-Patzer erleben können. Weil es in einer gewissen Liga eben gang und gäbe ist, dass Leute nicht alles live performen. Zumal bei denen, die eigentlich singen könnten. Ich denke vor allem an Rihanna und an Justin Bieber. Rihanna sang Anfang und Ende ihres Berlin-Konzerts wahrlich live und mit Bravour. So ziemlich alles dazwischen kam vom Band, bloß dass die Gute sporadisch ein paar „Umbrella“-Haucher live einstreute. Das Lip Sync war mitunter so schlecht, dass man Vorsatz mutmaßen konnte. Herr Bieber tat es in Berlin noch konsequenter und bewegte die Lippen oft, während seine Stimme schallte, einfach gar nicht, sondern tanzte lustlos oder trank aus der Mineralwasserpulle. Oops. Die Fans nahmen’s nicht krumm. Die Frage ist vielleicht, auf wieviel Show man im Konzert und überhaupt im Leben steht – und ob man optisch oder klanglich überrascht und überwältigt werden will. Anyway: Es lebe das Leben in live.

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