Konzerte & Party

The Pogues in der Zitadelle Spandau

The Pogues

Die alten Herren von den Pogues können es nicht lassen. Seit ein paar Jahren treten sie wieder auf. Den Punkveteranen – im Übrigen ja nicht die einzige Band, die nach dem eigentlichen Ende ihrer Karriere ein Comeback will, – ergeht es wohl wie vielen älteren Menschen im Ruhestand: Sie können irgendwie nicht aufhören. So richtig verstehen kann man das im Falle der Pogues nicht: Ein polternder Abgang wäre doch toll gewesen, die Fans könnten in „Ach, weißt du noch damals“-Erinnerungen schwelgen und an die „echt krassen Zeiten“ zurückdenken. Dass sich die alten Herren nun wieder auf- und zusammengerafft und dann auf die Bühnen dieser Welt geschleppt haben, trübt diese Nostalgie doch nur. Das ist deshalb doppelt schade, weil gerade die Memoiren von James Fearnley, Mitglied der ersten Stunde, erschienen sind. Sein Buch „Here Comes Everybody“ erzählt die Geschichte der Band aus seiner ganz persönlichen Perspektive. Seine Pogues-Geschichte beginnt im Juni 1980, ein Jahr vor der offiziellen Gründung der Band, und endet im August 1991 mit dem Rausschmiss von Sänger Shane MacGowan. Erstaunlich, an wie viele zum Teil über 25 Jahre alten Dialoge und Hotelzimmer sich Fearnley bis ins kleinste Detail erinnert – als hätte er jahrelang gewissenhaft Tagebuch geführt. Beim Lesen kann man sich ganz wunderbar einen Großvater im Lehnstuhl vorstellen, der ehrlich, aber verklärt von damals erzählt. Dieses Buch wäre die perfekte Basis für eine echte Pogues-Legende gewesen. Doch nun drängen sich, leider, die Bilder der altgewordenen Punker auf der Bühne dazwischen. Es hätte so ein schöner Mythos werden können.

Text: Katharina Wagner

The Pogues – Thir(s)ty Years Of Pogue Mahone, Zitadelle Spandau, Do 9.8., 19 Uhr, VVK: 41,90 Euro

James Fearnley: „Here Comes Everybody“, Faber & Faber Ltd. 2012, 406 Seiten, circa 20 Euro

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