Konzerte & Party

The Pokes im Magnet

pokesGevatter Trend macht eine längere Pause. Auch 2009 hat er uns nicht viel Neues beschert. Auffällig war allerdings, dass sich der Folk-Aspekt stärker im Pop bemerkbar gemacht hat. Man traut sich wieder, mit traditionellen akustischen Instrumenten und in bierseliger Stimmung aufzutreten. Den Jungs und Mädels in der Band The Pokes soll es recht sein, sie haben es nie anders gewollt. Bei ihnen wusste man immer, in welche Richtung es geht. Das Berliner Septett ist keine Pogues-Coverband, aber Instrumentierung und Stil orientieren sich eindeutig am Original. Neben üblichem Rock-Inventar wird auch auf Akkordeon, Banjo und Violine gespielt. Mit stimmungsvollem Folkpunk stellt diese Band jeden Laden blitzartig auf den Kopf. Nur einen Unterschied gibt es: Gebiss und sonstige Erscheinung des englischen Sängers Ian wirken bei Weitem nicht so verwahrlost wie bei Shane MacGowan. Die Krankenkasse wird sich freuen.

Das Schöne an The Pokes ist, dass sie sich nicht nur als Spaßkapelle für den feuchten Abend verstehen. Ian und der schottische Banjospieler Billy beklagen das Verschwinden der traditionellen Arbeitermentalität in Britannien im Song „Struck By Media“ mit klaren Worten: „Goodbye working class, your morals have gone up your arse.“ Das ist typisch Folk: Es geht um die Sorgen und Nöte des einfachen Mannes und darum, seine Probleme erträglich zu machen. Sogar der Ernst beim Thema Tod wird in „The Day I Pass Away“ mit Frohsinn weggewischt. Schön, dass The Pokes am zweiten Weihnachtstag live auftreten. Mit ihrer Hilfe gelingt es bestimmt, dem ganzen aufgesetzten Besinnlichkeitszinnober den Garaus zu machen.  

Text: Thomas Weiland  

The Pokes Magnet, Sa 26.12., 21 Uhr, VVK: 9 Ђ, Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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