Töne & Debatten

Pop – Ein Kreuzberger Plattenladen

Wie ein Kreuzberger Plattenladen zum Vereinslokal und Veranstaltungsort wurde

Foto: Stefanie Kagel
Foto: Stefanie Kagel

Martin Väterlein hatte eine Sechs-Tage-Woche. Vier Tage arbeitete er in einer Werbeagentur, Freitag und Samstag verkaufte er Second-Hand-Schallplatten in seinem Laden auf der Riemannstraße 5 in Kreuzberg. Doch schon bald wurde der Ort, kurz auch „das POP“ genannt, zu einem Kiezphänomen. Leute mit extrem unterschiedlichem ­Musikgeschmack kamen wie nirgendwo sonst miteinander ins Gespräch. Angefangen hatte es mit der POP-­Debatte: Freitags traf man sich im Ladenlokal, brachte  Getränke mit und meistens auch die eine oder andere Platte. Zur kulinarischen Grundausstattung gehörte eine Schüssel Kartoffelchips auf dem Tresen. Geredet wurde – erst auf dem Podium, dann später miteinander – über die mitgebrachten Platten. Von Raritäten bis zu Mainstream-Musik war alles dabei.
Dann flatterte Väterlein eine Mieterhöhung ins Haus, die er nicht alleine stemmen konnte. Die Stammkunden entschlossen sich, einen Verein zu gründen. Die Beiträge finanzierten die Mieterhöhung, der Laden wurde zum Clubraum.
Anwohner aus dem Kiez kamen genauso wie Plattensammler, ein Opernregisseur oder eine Grundschullehrerin. Man verstand sich, man vernetzte sich und es passierte immer mehr: Ausstellungen wurden organisiert, spontane Sessions oder geplante Konzerte abgehalten, außerdem gab es Lesungen. Barrieren zwischen Künstlern und Publikum gab es nicht. Die Musiker und Künstler wurden bei der Party im Anschluss von Veranstaltungen einfach „integriert“, wie Väterlein sagt.
Weiter an neuem Ort
Viel Werbung wurde nicht gemacht. Wöchentlich gab es eine Ankündigung, den Strawinsky-Strip, der vom Vereinsvorsitzenden, dem Musiker und Produzenten Kurt Dahlke, verschickt wird. Er lässt den russischen Komponisten Igor Strawinsky in einem Comic das POP-Programm kommentieren. Auch als Musiker, sagt Dahlke, profitiere er vom Miteinander und den Netzwerken. Es ist ein sozia­ler, aber besonders ein kultureller Raum für alle.
Doch diesen Sommer war nun trotzdem Schluss in der Riemannstraße. Lange war nicht klar, wie es weitergehen würde. Bis man Anfang November endlich neue Räume in der Yorckstraße beziehen konnte.
Mal sehen, was die Nachbarn sagen.

Text: Michaela Maria Müller

Pop Platten begleiten Dich Yorckstr. 51, Kreuzberg, Fr+Sa 12–18 Uhr, nächste POP-Debatte: 9.12., ab 20 Uhr, www.pop-berlin.de

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