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Pop-Kultur Berlin: Gespräch mit der Kuratorin von Pop-Hayat Yeşim Duman

Die Hamburgerin Yeşim Duman ist Resident-DJ im Golden Pudel Club, Moderatorin auf Byte FM, Aktivistin und Veranstalterin. Im Rahmen des Festivals Pop-Kultur Berlin kuratiert sie ein Programm mit Talks, Partys und einer Filmvorführung, in dem sie auf unterschiedliche Weise die Clubszene, postmigrantische Identitäten und queere Kultur verhandelt.

Foto: Intissare Aamri

Frau Duman, „Pop-Hayat“, der von Ihnen kuratierte Programmstrang des Pop-Kultur Festivals, setzt sich in unterschiedlicher Form mit der queeren Clubszene und postmigrantischem Diskurs auseinander. Was sind die wichtigen Fragen, die 2018 hierzu gestellt werden müssen?

Wer hat Teil an der Gesellschaft? Und wer ist ausgeschlossen? Warum ist die Gesellschaft so homogen? Wie sehen die Strukturen bei Institutionen/Festival im Inneren aus? Warum verdienen Frauen weniger als Männer bei gleicher Arbeit? Wo sind die Flower Boys mit inhaltlich guten Lyrics im Deutsch-Rap? Warum gibt es keine Quote beim Booking in Club -und Popkultur? Warum kommen die meisten Rolemodes aus der queeren Subkultur, werden aber im Mainstream ausgeschlossen? Wie kann man Solidarität unter Künstler*Innen noch weiter fördern? Warum bedient sich der Mainstream von den Ressourcen Queerer Kultur? Und die letzte und sehr wichtige Frage: Was ist euer Lieblingsbaklava?

Wo sehen Sie Verbindungen und wo Trennlinien zwischen den beiden Themenfeldern (queere Clubszene und postmigrantischer Diskurs)?

Die Techno/House/Disco Kultur hatte Ihren Ursprung in der queeren Subkultur und vor allem marginaliserte Menschen, People of Color, haben einen Schutzraum in dieser Clubszene gefunden – die Partyreihe Shakedown in LA war dafür ein tolles Beispiel. Diese Themen gehen Hand in Hand.

Darum ist es umso wichtiger, dass sich die queere Community mehr vernetzt; denn auch innerhalb dieser Queer Community gibt es Diskriminierungen bzw. sozialen Ausschluss. Queere POC sind in den Medien und in der Pop-Kultur eklatant unterrepräsentiert – selbst von Seiten anderer Minderheiten, wie etwa bisexuellen Frauen, nicht binären Menschen oder den Dykes (lesbische Frauen mit maskulinen Attributen) gibt es Ablehnung in diese Richtung. Es ist wichtig, dass auf dieses Thema Aufmerksamkeit gelenkt wird. Meiner Meinung nach muss ein stärkerer Diskurs entstehen, im Besonderen zwischen Frauen und nicht-binären Personen, um Austausch zu generieren und dadurch Sichtbarkeit zu erlangen.

Die Berliner Clubszene, vor allem der queere Teil, ist weltberühmt. Wie bewerten Sie die Konsequenzen dieses Erfolgs? 

Ich finde Erfolg ist hier ein schwieriger Begriff – ja, es gibt vereinzelte Personen, die im Mainstream mehr Aufmerksamkeit bekommen, allerdings sind die homophoben Übergriffe in Berlin gestiegen und Orte, wie etwa Bars für lesbische und queere Menschen, werden Opfer der Gentrifizierung und müssen schließen.

Sie plädieren für eine offene Clubkultur, dabei steht die Türpolitik an manchen Berliner Clubs eher für das Gegenteil. Wie verträgt sich dieser Zustand?

Es kommt immer auf den Club und den Kontext an und eine gute Türpolitik bietet auch Schutz und Sicherheit für Gäste, solange es keine rassistische/sexistische Türpolitik ist.

Neben Clubkultur und elektronischer Musik verhandeln Sie auch die Hip-Hop-Kultur als wesentliche Ausdrucksform für den queeren bzw. migrantischen Diskurs. Doch auch hier steht diese Kultur im Zwiespalt, im Hinblick auf den Erfolg sexistischer, rassistischer und antisemitischer Äußerungen deutscher Rapper. Stichwort Kollegah und Farid Bang.

In meinem Projekt geht es um weibliche und queerfeministische Positionen im Pop und HipHop und Protagonistinnen wie Silvana Imam, Ebow, Lady Bitch Ray, die ein Teil von Pop-Hayat sind, befassen sich thematisch mit Geschlechterrollen, Sexismus, Rassimus und Machtstrukturen. Bei den Männlichkeitsbildern des Gangsterrap ist Gewaltbereitschaft in letzter Zeit zu einer Zwangsläufigkeit geworden. Jedoch sitzen da Plattenfirmen und Musikproduktionen dahinter, die das anscheinend legitimieren und eine Menge Geld für solche Produktionen zahlen, anstatt sich umzuschauen und neue Musiker*Innen mit Inhalt aufzubauen. Natürlich ist Rap und HipHop-Kultur auch Kunst, jedoch glaube ich mittlerweile, dass sich diese Produktionen mehr nach monetärem Erfolg im Mainstream ausrichten, anstelle Verantwortung für die menschenverachtenden Inhalte zu übernehmen und diese zu reflektieren. Meiner Meinung nach gehen die Skills und die eigentliche Kunst des Raps in diesen antisemitischen und sexistischen Texten verloren.

Was kann die Mainstream-Gesellschaft von den im Rahmen von „Pop-Hayat“ behandelten Diskussionen lernen? 

Es ist wichtig die Diskurse zu hören und zu erleben und somit Schwellen aufzulösen. Es werden ja unterschiedliche Themen aus postmigrantischen Perspektiven behandelt und mich beschäftigt vor allem die Suche nach dem Gefühl von Zugehörigkeit in einer Gesellschaft – da hat jede*r einen Zugang zu und kann davon etwas mitnehmen. Der Austausch ist das wichtigste und ich freue mich über jede*n, der oder die vorbeikommt.

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