Konzerte & Party

Pop-Kultur im Berghain

Ho99o9

Einen Fixpunkt in Berlins Musikkalender zu haben – davon träumen Veranstalter; sei es ein unverzichtbares Festival oder eine ausgebuchte Musikwoche. Dieses Jahr versuchen gleich zwei neue Festivals, den Berliner Sommer zu prägen: das aus den USA importierte Lollapalooza und das Drei-Tages-Ereignis Pop-Kultur. Letzteres tritt die Nachfolge der Berlin Music Week an. Das senatsfinanzierte Branchentreffen war 2014 zum letzten Mal an den Start gegangen, nach fünf Ausgaben, die von der Suche nach einem eigenen Profil geprägt waren.
Kopf des neuen Festivals ist Katja Lucker. Die Musikbeauftragte des Landes Berlin und Chefin des rührigen Musicboards setzt auf einen kompletten Neustart, um Musikfans, Branchenleute und Künstler gleichermaßen anzuziehen und den Rahmen für professionelles Netzwerken zu schaffen. Pop-Kultur könnte zum Flaggschiff der Senatsinitiative werden – als Festival, das die experimentelle Freiheit der Stadt spiegelt und ihre Bedeutung als internationales Sammelbecken. Und das idealerweise zum Pflichttermin für die Branche wird.
Auffällig ist, dass das Musikprogramm in den Fokus rückt. Fans können einfach ein paar tolle Abende mit Sophie Hunger, Matthew Herbert oder New Orders Bernard Sumner erleben. Gleichzeitig sollen am Rande der drei Tage Profis ins Gespräch und vielleicht ins Geschäft kommen. Wichtiger Nebenschauplatz ist eine Newcomer-Plattform. Vorbild sei der Talent-Campus der Berlinale, so Lucker. Dort treffen junge Musiker auf Mentoren wie Rapperin Sookee.
Isolation BerlinAls Ort haben die Macher das Berghain auserkoren. „Das Berghain steht für etwas. Es ist nicht nur einer der tollsten Technoclubs der Welt mit internationaler Ausstrahlung“, sagt Christian Morin, Chef der Agentur Headquarter und zusammen mit Martin Hossmann Kurator von Pop-Kultur. Mit dem Ort „steht und fällt“ jede Musik-Veranstaltung, glaubt er. „Abgesehen davon ist das Berghain auch aus pragmatischen Gründen interessant, weil es in dem Gebäude neben den bekannten Venues auch versteckte Räume gibt, die wir alle nutzen können. Keiner muss für das nächste Treffen oder Konzert ins Taxi springen.“
Der Schwerpunkt liegt trotz der klingenden Namen aus der Indie-Welt auf Newcomern, obskureren Truppen sowie Berliner Eigengewächsen. Die jungen Postpunks Isolation Berlin (Fot links) sind gebucht, ebenso das ironische Diskurspop-Duo Schnipo Schranke aus Hamburg oder die gehypten US-Hip-Hop-Punks Ho99o9 (sprich: Horror / Foto oben). Auch die spanische Girlband Hinds oder Londons Paradiesvogel Ebony Bones kursieren auf einschlägigen Listen als Acts der Stunde.
In ihrem Konzept auf der Webseite haben die Macher „33 1/2 Punkte“ notiert, darunter: „Entscheidungen sind zu treffen.“ Das Programm ist in Blöcke aufgeteilt, statt eines Festivalpasses gibt es Einzeltickets von fünf bis 25 Euro. Ein wenig einlesende Vorarbeit wird Besuchern somit abverlangt, die die Wahl haben zwischen Modulen aus Lesungen, Talks, DJ-Sets und Konzerten, darunter spezielle Kollaborationen, etwa zwischen CocoRosies Bianca Casady und einem Tänzer oder zwischen Artpop-Allrounder Owen Pallett und dem Neue-Klassik-Ensemble Stargaze.
Dass mit Elijah Wood gar ein Hollywood-Star anreist, betont nur den Wert, den die Organisatoren auf Off-Kultur legen: Wood stellt nicht etwa seine „Hobbit“-Memoiren vor, sondern lebt seine Leidenschaft für obskure Vinyl-Raritäten an den Plattentellern aus. Um ganz sicherzugehen, keine falschen Erwartungen zu schüren, heißt es im Festivalkonzept unter Eintrag 10: „Robbie Williams kommt nicht.“ Abweisen würde man den charmanten Britpopper an der Pforte des Berghains aber sicher auch nicht. ëẻěȅȇẹȩǩḯịǐỉïıĭṅŋẈƲŃ

Pop-Kultur, Berghain, Mi 26.–Fr 28.8., verschiedene Zeiten, ?Tickets je Konzertblock 5–25 Euro zzgl. Gebühren

Programm auf www.pop-kultur.berlin

Nicht verpassen

Hinds
Die vier Freundinnen aus Madrid sind die Shootingstars von Spaniens Garage-Rock-Szene. ?Berghain u. Panorama Bar live, Mi 26.8., 20–24 Uhr, VVK: 20 Euro zzgl. Gebühr

Isolation Berlin
Die Newcomer erinnern von fern an Ideals Postpunk mit der Sehnsucht Rio Reisers. Berghain u. Panorama Bar live, Mi 26.8., 20–24 Uhr, VVK: 20 Euro zzgl. Gebühr

Neneh Cherry?
Mit ihrem elektrogeprägten Album ?“Blanc Project“ gelang der Neosoul-Pionierin 2014 ein grandioses Comeback. ?Halle am Berghain, Do 27.8., ?19.20–22 Uhr, VVK: 25 Euro zzgl. Gebühr

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