Konzerte & Party

Portishead in der Zitadelle Spandau

Portishead

Sicher: Man sollte schon dankbar sein und kein unnötig böses Wort über sie verlieren. Schließlich haben Portishead mit „Dummy“ eines der besten Alben der Neunziger produziert, das für den TripHop zugleich identitätsstiftend war. Damals, 1994, gab es einen regelrechten Run auf die Band. Mit ihm konnten die Hauptbeteiligten aber nie richtig umgehen. Sängerin Beth Gibbons ließ ihre Texte lieber für sich sprechen. Die Öffentlichkeitsarbeit überließ sie Geoff Barrow, der schon mit der Rolle des musikalischen Masterminds ausgelastet war. Mit dem zweiten, nach der Band benannten Album hatten Portishead praktisch eine deckungsgleiche Version von „Dummy“ vorgelegt. Danach vergingen elf Jahre, bis „Third“ in den Läden stand. Am Grundkonstrukt wurde nicht gerüttelt. Einflüsse aus experimenteller Drone-Musik, Krautrock oder Noise-Rock kamen hinzu und deuteten die Möglichkeit eines neuen Aufbruchs an. Auf den wartet man aber bis heute. Barrow konzen­trierte sich zuletzt auf eine zweite Band namens Beak. Bei deren Vorstellung erzählte er, dass er Ende der Neunziger das Interesse an Musik komplett verloren hatte. Gerade der Stilwechsel im HipHop hätte ihm zu schaffen gemacht. Dem Analogfreak gefielen weder digitale Produktionsmittel, Gangstergetue noch das fantasielose Abkupfern alter Hits. Vollständig hat er sich von dieser Schaffenskrise noch immer nicht erholt. Vielleicht helfen ja die überraschend angesetzten Sommerkonzerte bei der geistigen Sammlung. Es kann aber auch sein, dass die Gigs einfach nur der Verbesserung des Kontostands dienen, damit man weiter in Ruhe trödeln kann.

Text: Thomas Weiland

Foto: Benoit Peverelli

Portishead + Savages, Zitadelle Spandau, Di 18.6., 19 Uhr, VVK 44 Euro zzgl. Gebühr

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