Klassik

Postkolonialer Ansatz beim Young Euro Classic

Beim Young Euro Classic spielen Jugendorchester aus der Dominikanischen Republik, Chile und China

Foto: Kai Bienert | Mutesouvenir

Orchester sind Relikte. Denkt man. Wer sich in der Welt umschaut, findet indes kaum einen Erdenwinkel, in dem Orchestergründungen nicht für fortschrittlich, pädagogisch werthaltig und zukunftsträchtig erachtet werden. Orchester boomen. Davon kann man sich alljährlich beim Festival Young Euro Classic überzeugen.

Hier gibt es in diesem Sommer nicht nur Jugendorchester aus Rumänien (22.7.), der Türkei (24.7.) und der Slowakei (28.7.), sondern auch aus scheinbar klassikentrückten Regionen wie der Dominikanischen Republik (21.7.), Chile (29.7.) und China (5.8.). Von Orten also, in denen völlig andere musikalische Traditionen vorherrschen. Den Import europäischer Stile kann man als postkoloniale Folge der Globalisierung ansehen. Das Vertrauen in die Wirkung von Musik ist aber trotzdem nicht verfehlt. Wer alte Werke spielt, muss sich aus eigenem Antrieb und zudem anhaltender konzentrieren, als jeder Bildschirm es von uns verlangt.

Prominenter Höhepunkt diesmal: Mahlers Fünfte unter Vasily Petrenko mit dem European Union Youth Orchestra (2.8.). Sowie das Bundesjugendballett unter John Neumeier (30.7.). Witzigster Pate (mit einführenden Worten) ist: Helge Schneider (25.7.). Zur Eröffnung spielt das aus Warschau stammende Polska Orkiestra Sinfonia Iuventus die Fünfte und Sechste des Schwerpunktgebers Beethoven (dessen 150. Geburtstag vorspukt).
Michael Müller und Monika Grütters sind die Gruß-Paten. Sie finden, dass das wichtig ist. Stimmt auch.

Konzerthaus Gendarmenmarkt Mitte, Fr 19.7., 20 Uhr, 18,70–31,90 € 

Mehr Informationen zur diesjährigen Ausgabe von Young Euro Classic finden Sie hier

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