Die Visionäre

Pothead

Die Berliner Pothead sind Pioniere der modernen Rundumbetreuung

Heute kaum noch vorstellbar, doch vor einem Vierteljahrhundert war Berlin in Sachen Rockmusik tiefste Provinz. Just in dieser Phase, anno 1991, verlängerten zwei aus Seattle
stammende Musiker ihren Europaurlaub ins Ungewisse, weil sie in Berlin eine Chance zum Neuanfang witterten: Statt wie daheim mit einer Vielzahl etablierter Rock-Acts zu konkurrieren, konnten sie sich hier behaglich in ihrer eigenen Nische einrichten. Aus Bradley Kok und Jeffery Moore wurden Brad und Jeff Dope, ihre durch einen Schlagzeuger (den sie dann 2012 vorübergehend mit – huch! – Knorkator tauschten) zum Trio vervollständigte Band tauften sie programmatisch Pothead.
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Der zum Stoner-Rock-Sud eingekochte Sound hat sich auf einem Dutzend Alben kaum weiterentwickelt. Dennoch wäre es Unsinn, Pothead Stagnation zu unterstellen. Wie schon
ihr im Rückblick visionäres Geschäftsmodell, das lange vor dem Niedergang der Plattenindustrie auf eine Fan-Rundumbetreuung mit selbst produzierten Tonträgern, liebevoll gestalteten Merchandising-Artikeln, einem eigenen Open-Air-Festival („Potstock“) und liebgewonnene Jahresauftaktkonzerte in Berlin setzte, so speist sich auch die musikalische Kontinuität aus einer speziellen Hingabe. Das macht jede neue Pothead-Platte im Grunde zu ihrer besten – wie alle anderen auch. Glückliche Fans!

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