Konzerte & Party

Pretenders – Break Up The Concrete

Es gibt kaum eine Person, der man ein großes Comeback mehr gönnt, als Chrissie Hynde. Die Sängerin und Gitarristin der Pretenders stand immer ihre Frau und meisterte alle Krisen, egal ob sie beruflicher oder privater Natur waren. Leider wurde es mit der Zeit doch ein Kampf gegen Windmühlen, zuletzt interessierten sich immer weniger Leute für die Band. Gelegentlich fiel ihr Name im Zusammenhang mit dem New-Wave-Revival (Rilo Kiley, Cardigans), aber größere Vorbildwirkung wurde den Pretenders nicht zugebilligt. Infame Ignoranten! Insgeheim wusste der Fan aber immer, dass Hynde es noch mal allen zeigen und so zurückkommen würde wie jetzt.

„Break Up The Concrete“ (Shangri-La/Import) erreicht locker das Niveau der ersten drei nie verblassenden Pretenders-Alben, weil sich die Sängerin von Mietschreibern, langjährigen Mitstreitern und ein Stück weit auch vom Leben in London getrennt hat. Vor kurzem kehrte sie nach Akron in Ohio zurück, um ein Restaurant zu eröffnen. Vor 25 Jahren wäre das undenkbar gewesen, in „My City Was Gone“ beklagte sie sich noch bitter über ihre Heimatstadt. Inzwischen klingt das wesentlich milder: „Please don’t ever change, the best part of Ohio, you’re almost perfect.“ Die Musik klingt bodenständig und rootsy, wie es sich für diese heruntergekommene Gegend gehört. Mithilfe von Könnern wie Eric Heywood (Son Volt, Pedal Steel), James Walbourne (Pernice Brothers, Gitarre) und Jim Keltner (Schlag­zeug, vertritt Stammtrommler Martin Chambers) lässt sie Einflüsse aus amerikanischer Musik der Vergangenheit zum Zug kommen. In „Rosalee“ watet die Band tief im Blues eines Muddy Waters, „Don’t Cut Your Hair“ ist eine von drei rustikal rumpelnden Rockabilly-Nummern, und im Titelsong taucht mal wieder der berühmte Bo-Diddley-Beat auf.

Ein richtig gutes Pretenders-Album hat aber auch Songs wie „The Nothing Maker“ oder „Love’s A Mystery“ zu enthalten, in denen Hynde sich mit ihrer einzigartigen Stimme erst sanft heranschleicht und dann aus heiterem Himmel kleine lei­denschaftliche Nadelstiche setzt. Damit bricht sie jedes noch so hartnäckige Herz aus Beton immer noch.

Text: Thomas Weiland

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