Konzerte & Party

Primal Scream

Cover

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und auch dieses Mal darf man sich wieder auf Überraschungen gefasst machen. Gleich im ersten Stück machen die Briten mit Groove, heiterer Gemütslage und Glockengeläut unverhohlen auf Pop. Schon keimen Befürchtungen auf: Ist Sänger und Anführer Bobby Gillespie nach all den wilden Jahren gezähmt worden? Keineswegs, das Gerede von der schönen Zukunft ist zum Glück nur ironisch gemeint.

Gillespies Neigung zu politischen Themen wird sofort offenbar, wenn er von leeren Häusern, brennenden Autos und nackten Körpern erzählt, die vom Baum hängen. „Oh oh, you live in a dream, in the dead heart of a control machine“, schlussfolgert er. Ein schöner Gruß an den britischen Überwachungsstaat, der es nicht schafft, der wachsenden Gewalt in den Groß??städten Herr zu werden.


Neu ist, dass sich Primal Scream nicht zu Gefangenen eines stilistischen Konzepts machen. Vier Leute haben „Beautiful Future“ produziert, was prompt zu größerer Vielfalt geführt hat. Paul Epworth (u.a. Bloc Party) ist für den Drecksrocker „Can’t Go Back“ zuständig. In Stockholm hatten sich die Primals mit Björn Yttling von Peter Bjorn And John verabredet, der die Band umgehend in ein Studio zitierte, in dem einige der größten ABBA-Hits entstanden sind. Nun veredeln Marimbasounds den Electro-Glam-Track „The Glory Of Love“.

Auch die Damenwelt findet ihren Platz. Lovefoxxx von der brasilianischen Kultband CSS begleitet Gillespie im elektronischen „I Love To Hurt (You Love To Be Hurt)“, die lange zurückgezogen lebende Folksängerin Linda Thompson taucht in einer Version von Fleetwood Macs „Over And Over“ auf. Wieder ganz anders ist „Uptown“ – hier zieht es die Band in die Disco.

So viele Einflüsse überfordern normalerweise. Aber was ist bei Primal Scream schon normal? Gillespies Gang bringt alles souverän unter ihre Fuchtel, es fließt ineinander wie bei einem guten DJ-Set. So kann die Zukunft ruhig beginnen.

(B-Unique/Warner)

Text: Thomas Weiland

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