Konzerte & Party

Prince: Hit\n\Run Phase Two

Prince: Hit'n'RunDie Vorfreude war angesichts des ersten Teils des „Hit‘n‘Run“-Doppels doch arg gedämpft. Er ließ befürchten, dass Prince auf der Suche nach Neuem der amerikanischen EDM-Manie verfallen ist. Flirts mit Electro und Techno und Rita Ora – alles sehr dubios. Jetzt sieht es wieder anders aus. Mit „Phase Two“ wendet sich der Meister wieder seinem klassischen Sound zu. In „Stare“ kommen gleich mehrere Aspekte zusammen. Es beginnt mit einem Funk-Bass und entwickelt sich zu einem Party-Jam, in dem der Verführer explizit um einen dicken Schmatzer bittet – untermalt mit etwas Gitarrenspiel aus „Kiss“, versteht sich. Der Mann gefällt sich in der Rolle des Thronfolgers der Anzüglichkeiten. Was mit dem Titel „When She Comes“ gemeint ist, kann man sich deshalb schnell denken.  
Die kleinen Derbheiten, Grooves und Falsettgesänge kommen deshalb gut herüber, weil sich Prince im Gegensatz zu „Phase One“ voll auf analogen Bandklang aus den Siebzigern und frühen Achtzigern konzentriert. Mit dabei ist eine 16-köpfige Bläsergruppe mit Mitgliedern seiner NPG Hornz und den befreundeten Hornheads. Wie sehr sie zum Gelingen beitragen, erkennt man gerade an den Tracks, die man noch nicht kennt. „2 Y. 2 D.“  steht für too young to dare und weist jüngere Konkurrenten freundlich darauf hin, dass man einen Prince trotz seiner inzwischen 57 Jahre nicht unterschätzen sollte. „Black Muse“ ist mit über sieben Minuten das längste Stück, beginnt wieder mit einer Vollladung Funk und endet mit einem Jazz-Break. In „Big City“ steckt eine Feieratmosphäre, in der überraschend auch Anspielungen auf den opulenten Stil der Sparks enthalten sind. Komplett verzichten kann man auf die alte Single „Screwdriver“. Es ist und bleibt ein banal unerträgliches Rock-Disco-Ding. Prince kann viel. Aber nicht alles.

Text: Thomas Weiland

Prince, Hit’n’Run Phase Two (NPG Records/Tidal.com)

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