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Public Image Ltd „This Is PiL“

Pil_thisispil„This is PiL“, ruft John Lydon autoritär. Dass er diese Ansage an den Beginn stellt, ist nachvollziehbar. 20 Jahre lang hat es von der Band keine neue Musik gegeben. Da will man sich mit Nachdruck in Erinnerung bringen. Andererseits sind PiL wegen des Post-Punk-Revivals im vergangenen Jahrzehnt immer präsent geblieben. Es gibt eine Band, die Radio 4 heißt – wie der Song auf „Metal Box“. Karen O (Yeah Yeah Yeahs) schwört auf das Nachfolgealbum „Flowers Of Romance“. Nimmt man das Debüt hinzu, hat man die drei entscheidenden Etappen der Band beisammen. Mit ihnen hat „This Is PiL“ (PiL Official/Cargo) indes nur noch wenig zu tun. Damals arbeitete Lydon mit unverwechselbaren Musikern, die seinem giftigen Geplärre zusätzliche Schärfe gaben. Man denkt an die bedrohlichen Riffs von Keith Levene, an die innovativen Bass-Grooves von Jah Wobble oder an das unnachgiebige Trommeln von Martin Atkins. Diese Leute sind hier alle absent. Von Levene und Wobble weiß man, dass sie unter dem Namen Metal Box In Dub eine Art Parallel-Reunion initiiert haben. Ersatzweise hat Lydon auf Leute zurückgegriffen, mit denen er während der nicht mehr so wichtigen Spätphase der Band gemeinsame Sache gemacht hatte. Gitarrist Lu Edmonds war auch mal bei The Damned, Schlagzeuger Bruce Smith hat eine Vergangenheit bei The Pop Group und The Slits. Daran erinnert kaum etwas. Vor allem Edmonds hält sich viel zu sehr zurück. Warum so schüchtern, wenn es um die zweite Chance geht? Vielleicht hatten die Musiker zu viel Respekt vor Lydon, in dessen Gegenwart es schon mal ungemütlich werden kann. Der Krakeeler erhebt sich wie eh und je, beschwert sich über „Terra-Gate“, kulturelle Verblödung oder die Beengtheit in Sozialwohnungen. Aber das reicht nicht. Ohne passende Begleitung wird diesem genialen Querulanten die Radikalität geraubt. This is PiL? Das schon. Aber leider ist es bloß PiL light.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Zwiespältig

 

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