Konzerte & Party

„Punk-Business“ von Hagen Liebing

Komme gerade von Lidl. Habe dort NICHT das Sex-Pistols-?T-Shirt gekauft, obwohl es billig war, jedenfalls im Vergleich zu dem, was heutzutage beim Konzert-Merchandising für sich binnen Monaten von selbst ­auflösende Trikotage aufgerufen wird. Anschließend bei der Bank habe ich mir auch KEINE Kreditkarte mit „Anarchy in the U.K.“-Motiv aufschwatzen lassen. Sicher wird dafür eh massiv Werbung im Magazin „Business Punk“ geschaltet, da finden sich dann schon genug interessierte Jung­ökonomen.  
Ob ich mich jetzt etwa aus Empörung dem Konsum verweigere? Ach was! Die Sex Pistols und vor allem natürlich ihr umtriebiger Manager Malcolm McLaren hatten ja schließlich selbst bereits 1979 mit den Alben „The Great Rock?’n’?Roll Swindle“ und „Some Product“ die hemmungslose Selbstvermarktung zum Thema gemacht, diese ­betrieben – und damit natürlich auch ordentlich abkassiert. Ihre zerfetzten Klamotten mit den nun zitierten Motiven waren ja zuvor auch nicht etwa aus Not selbst zusammengestichelt, sondern wurden von der jetzigen Dame Vivienne Westwood kunstvoll entworfen. Eigentlich also setzt sich hier einfach nur die urtümlichste  Disziplin des Popgeschäfts fort: ­Geldverdienen. Ich frage mich allerdings, was die Punks am Kotti machen, wenn ihnen Angeschnorrte künftig eine Anarchy-Mastercard entgegenhalten. Vermutlich zücken sie dann flugs ihr mobiles EC-Cash-Kartenlesegerät

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